Moyes-Bestseller als Rührstück mit Prinz und Aschenputtel

Neu im Kino

Fünf Millionen verkaufte Bücher, davon zwei Millionen in Deutschland: Bestseller wie Jojo Moyes' "Ein ganzes halbes Jahr" schreien danach, verfilmt zu werden. Die Autorin schrieb das Drehbuch, Regie führte Thea Sharrock.

23.06.2016, 15:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sam Claflin als Will Traynor und Emilia Clarke als Lou Clark im Film „Ein ganzes halbes Jahr“.

Sam Claflin als Will Traynor und Emilia Clarke als Lou Clark im Film „Ein ganzes halbes Jahr“.

Es wurde eine Kino-Romanze, die auf Nummer sicher geht: Örtlichkeiten wie bei Rosamunde Pilcher. Eine tragische Liebe wie von Nicholas Sparks. Behinderten-Komik á la "Ziemlich beste Freunde" und eine Hauptdarstellerin (Emilia Clarke aus "Game Of Thrones"), die linkisch-trotzig-herzig durchs Leben stapft wie "Bridget Jones".

Etwas penetrant gespielt

Sam Claflin spielt den Millionärssohn Will, der nach einem Unfall abwärts des Halses gelähmt ist und auf der Burg seiner Eltern einen ruppigen Zynismus pflegt. Emilia Clarke ist Louisa, das Mädel mit der Vorliebe für schrille Klamotten, angestellt als Wills Gesellschafterin. Er hat Geist und Bildung, sie ihr verlegenes Schwerenöter-Lächeln, das Clarke eine Spur zu oft anknipst.

Überhaupt scheint sie gehalten, wie ein 14-jähriger Backfisch aufzutreten, was auf Dauer etwas penetrant wirkt. Schon klar, was das soll: Hier kommt der naive Tollpatsch, der einem verbitterten Miesepeter den Kopf verdreht und ihn auf neue Gedanken bringt. Louisa und Will brauchen eine Weile, um das Eis zu brechen, dann verstehen sie sich prächtig.

Geglätteter Roman

Alles sehr vorhersehbar und im Vergleich zum Roman deutlich geglättet. Das Thema Sterbehilfe - Will plant in der Schweiz seinen Freitod - wird auf der Leinwand kaum mehr als angerissen, ethische Implikationen nur am Rand verhandelt.

"Ein ganzes halbes Jahr" kapriziert sich ganz auf eine zuckrige Liebelei mit komödiantischen Zügen. Zärtlich turteln Piano und Streicher, für Momente erlesener Melancholie wurde ein Schmachthit von Adele eingekauft. Ein Rührstück mit Prinz und Aschenputtel, das allerdings nicht so kräftig auf die Tränendrüse drückt wie die Sparks-Filme.