„Mr. Holmes“ wird zum kauzigen Tatterich

Im Kino

Bei Billy Wilder war er ein Kokain-Freund, bei Guy Ritchie ein Prügelknabe, in der BBC-Serie ermittelt Holmes im London von Heute. So aber hat man den Meisterdetektiv noch nicht gesehen: als 93-jährigen Hagestolz und Tatterich, dessen Gedächtnis schwindet. In Bill Condons "Mr. Holmes" verkörpert Ian McKellen (Gandalf aus "Herr der Ringe") das Superhirn im Ruhestand.

27.12.2015, 14:23 Uhr / Lesedauer: 1 min
Detektiv Sherlock Holmes (Ian McKellen) ist mit 93 Jahren dement und lebt zurückgezogen auf dem Land.

Detektiv Sherlock Holmes (Ian McKellen) ist mit 93 Jahren dement und lebt zurückgezogen auf dem Land.

Sein Sherlock ist ein Privatier, der mit der Schnüffelei abgeschlossen hat und sich ganz der Bienenzucht widmet. Dann und wann schreibt er an seiner Version eines Falles, den der verstorbene Watson völlig falsch publiziert hat, wie Holmes meint.

Da war also dieser Ehemann, der ihn vor 30 Jahren auf seine Frau ansetzte. Die sprach mit ihren toten Kindern und stand angeblich unter dem Einfluss einer Musiklehrerin.

Ein Hauch von Spannung

Spökenkiekerei hat den Logiker Holmes schon immer interessiert, also begann er, der Frau zu folgen. Was aber passierte dann? Holmes kriegt die Fakten nicht mehr zusammen, Demenz macht vor brillanten Köpfen nicht Halt.

Die Rekonstruktion von Holmes' letztem Auftrag bringt einen Hauch von Spannung in eine gemütlich betulich erzählte Geschichte ohne große Paukenschläge. "Low life" auf dem Land, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Holmes wird von seiner Haushälterin (Laura Linney) betüttelt, für ihren Sohn Roger (Milo Parker) ist der Alte ein Ziehvater.

Generationen-Komödie

Kind und Senior verstehen sich prächtig. Hier wird der Film zur warmherzigen Generationen-Komödie, immer für ein Schmunzeln gut. Bill Condon porträtiert den Detektiv jenseits der Legende - als einsamen Kauz, der auf seine alten Tage Bilanz zieht und merkt, dass er die Chance auf eine große Liebe verschenkt hat. Womöglich ist das der Preis, den Genies zahlen.

"Mr. Holmes", zwischen Humoreske und Melodram, überzeugt als Schauspieler-Stück. McKellen macht einen prima Job, gerade dann, wenn Sherlock senil und hinfällig wirkt. Das tröstet halbwegs über die laue Dramaturgie hinweg.

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