Murray Perahia auf den Spuren von Vladimir Horowitz

Konzerthaus Dortmund

Drei Mal war Murray Perahia mit der Academy-of-St-Martin-in-the-fields zu Gast im Konzerthaus Dortmund – als Pianist und Dirigent. Am Donnerstagabend spielte der 68-jährige Amerikaner sein erstes Solo-Recital am Klavier im Konzerthaus.

DORTMUND

, 01.05.2015, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Murray Perahia hat seinen ersten Solo-Klavierabend im Konzerthaus Dortmund gegeben.

Murray Perahia hat seinen ersten Solo-Klavierabend im Konzerthaus Dortmund gegeben.

Perahia ist ein völlig unaufgeregter und selbstkontrollierter Musiker – ein Altmeister im allerbesten Sinne. Seine Freundschaft mit Vladimir Horowitz hat den Pianisten geprägt, besonders sein Bach-Spiel.

Ruhig ließ er die Tanzsätze der sechsten Französischen Suite über die Tasten fließen. Ein so kluger Musik wie Perahia braucht keine schroffen Wechsel in der Dynamik; seine Bach-Interpretationen balancierten sehr fein auf dem Grat zwischen allen Extremen. Und klangen auf dem großen Konzertflügel doch so farbig, als wären sie auf einem Cembalo gespielt.  

Großes Repertoire  

Ein breites Programm, von Bach bis Cesar Franck, hatte der Wahl-Londoner vorbereitet. Neben Bachs Musik ist Wiener Klassik seine Domäne. In Dortmund spielte er mal nicht Mozart, sondern Haydn, die As-Dur-Sonate, und zwar mit so viel geistiger Tiefe, dass sie die Tür zu Beethoven schon öffnete.  

Dessen „Mondscheinsonate“ schimmerte zu Beginn langsam, in fahlem Silberlicht, bekam aber immer mehr Stachel. Bedächtig spielte Perahia; eindrucksvoll waren in allen Werken sein absolut geschmeidiger Ton und der tiefe Gehalt, den er der Musik gibt.

Da klang Cesar Francks Prélude, Choral und Fuge zwar so gewichtig wie ein Elefant, aber wie einer, der auf den Zehenspitzen tanzen kann.  Sehr klug strukturiert und klar durchleuchtet klang da nicht nur die Schlussfuge. Und Chopins h-Moll-Scherzo ließ Perahia glitzern, aber auch mit viel Tiefgang.  

Rückschläge  

Gegen all die Jungstars am Klavier wirkt der Amerikaner sehr wohltuend wie ein Fossil aus einer anderen Zeit. Rückschläge hat es in seiner Karriere viele gegeben, den spektakulärsten 1992, als er sich an einem Blatt Papier in den Finger schnitt.

Der Daumen entzündete sich und zwang den Pianisten fast ein Jahrzehnt zum Pausieren. Großer Jubel im Saal – einen Chopin-Walzer und ein Fantasiestück von Schumann spielte der dreifache Grammy-Gewinner als Zugaben.

Lesen Sie jetzt