Nach dem Tod strahlt Ruhm noch heller

Zu Beginn eine Prise "Velvet Goldmine". 1973. Teenager Ian Curtis verehrt David Bowie und Lou Reed. Jahre später ist er selbst ein Star: Sänger der Kultband Joy Division, deren Markenzeichen neben dem nagenden Bass seine Grabesstimme ist. 1980, im Alter von 23, nahm Curtis sich das Leben.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 14.01.2008, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nach dem Tod strahlt Ruhm noch heller

Ganz anders als Hollywood: Der Film "Control" - hier Sam Riley als Ian Curtis - hat Mut zu schwarz-weißen Bildern.

Und wie das so ist bei Rockstars, strahlte sein Nachruhm später umso heller. Anton Corbijn, berühmter Fotograf und Clip-Regisseur hat das kurze Leben des Ian Curtis verfilmt. "Control" heißt das Kinostück, Annäherung an einen Melancholiker, sinnigerweise in Schwarzweiß. Grau ist die Farbe der Depression, grau die Trostlosigkeit in Manchesters Backsteinhäuschen.

Von dort eroberten Joy Division die Rockwelt. "Control" ist aber alles andere als ein Glamourporträt: Mit seiner Frau (Samantha Morton) bewohnt Curtis (Sam Riley) ein bescheidenes, spießiges Reihenhaus. Er hat eine Stelle beim Arbeitsamt. Das sieht schwer nach Arbeiterklasse und low life aus.

Mehr Schmerzensmann als Entertainer

Ein Auftritt der Sex Pistols gerät auch in Manchester zum Urknall der Punkszene. Curtis wird Sänger bei Warszaw, die sich in Joy Division umbenennen und bei Factory Records unterschreiben. Sie nehmen die Platte "Unknown Pleasures" auf und werden großgroßgroß.

Curtis steuert vergrübelt umschattete Texte bei, auf der Bühne ist er mehr Schmerzensmann als Entertainer. Erfolgs- und Erwartungsdruck treiben ihn in Zusammenbrüche. Epileptiker ist er auch.

Schuldgefühl nagt an ihm, weil er neben Frau und Kind eine Geliebte (Alexandra Maria Lara) hat. Er glaubt, in einer Sackgasse zu stecken, martert sich mit Zweifel und Weltschmerz. Ruhm essen Seele auf.

Corbijn erzählt das mit ruhigem Atem, als ein unaufgeregtes Drama ohne Dramatik. Leitmotivisch streut er Songs von Joy Division ein, "Love Will Tear Us Apart", "Isolation". Teils im Original, teils neu eingespielt. Sam Riley spielt prima, sieht Curtis auch sehr ähnlich und macht als Sänger eine gute Figur. Corbijn-Spezi Herbert Grönemeyer absolviert einen Kurzauftritt als Onkel Doktor.

Am Ende hören wir Curtis' Requiem zu Lebzeiten. Beim Refrain "Don't Walk Away In Silence" laufen einem Schauer über den Rücken. Ein Song von erlesen trauriger Schönheit - ganz wie der Film.