Nach Insolvenz: Rehms-Gruppe wird schwäbisch - 550 Jobs gesichert

hzWirtschaft

Die Salvia Group aus Eislingen steigt in fünf Tochterunternehmen der Borkener Rehms-Gruppe ein. Dabei geht es auch um die Sicherung vieler Arbeitsplätze an den Rehms Standorten in Borken und Essen.

von Peter Berger

Borken

, 09.10.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Juli hatte die auf Gebäudetechnik spezialisierte Rehms-Unternehmensgruppe Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Davon betroffen waren in einem verschachtelten Firmenkonstrukt acht Tochterunternehmen mit insgesamt 480 Beschäftigten, davon allein knapp 400 in der in Borken beheimateten J. Rehms GmbH. Insgesamt waren in der Gruppe nach eigenen Angaben rund 840 Mitarbeiter beschäftigt.

550 Arbeitsplätze in Borken und Essen gesichert

Die Salvia Group aus Eislingen/Fils hat nun das Kerngeschäft der Rehms Building Gruppe übernommen: Erworben wurden der Geschäftsbetrieb der Rehms Building Technology, der J. Rehms GmbH und des Planungsbüros TePmA GmbH sowie die Geschäftsanteile der Rehms Service GmbH. Kurzfristig soll darüber hinaus auch die Beteiligung an der DL Technik GmbH mit Sitz in Essen erworben werden. An den Standorten Borken und Essen hätten so 550 Arbeitsplätze gesichert werden können, teilten die Unternehmen am Freitag mit. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Jetzt lesen

„Gemeinsam mit unseren neuen Kolleginnen und Kollegen können wir ab sofort den gesamten Lebenszyklus in der Gebäudetechnik abbilden“, kommentiert Salvia-Geschäftsführer Dirk Jannausch den Abschluss der Kaufverträge. Die bisherige Geschäftsführung führt den Betrieb der Rehms Building Technology und der J. Rehms GmbH künftig als J. Rehms Gebäudetechnik GmbH weiter. Das laufende Geschäft der TePmA wurde von der TePmA Engineering GmbH übernommen und wird ebenfalls von der bisherigen Geschäftsführung weitergeführt.

Gruppe zu schnell zu groß geworden?

„Als Unternehmer ist dies für mich ein logischer Schritt zu noch mehr Kundenorientierung und der Stärkung unser regionaler Präsenz in Nordrhein-Westfalen“, so Inhaber und Unternehmensgründer Filippo Salvia. „Operativ war und ist das Kerngeschäft der Rehms Building Technology gut aufgestellt“, ergänzt Nils Meißner, der in den vergangenen Monaten als Chief Insolvency Officer (CIO) gemeinsam mit Dr. Mike Westkamp (CIO) von der Sozietät Görg die Rehms-Gruppe seit den Insolvenzanträgen unterstützt.

Anfang Juli 2020 hatte die Geschäftsführung Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Zur Begründung hieß es, dass wegen der notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der weltweiten Corona-Pandemie viele Projekte hätten verschoben werden müssen.

Jetzt lesen

Intern war zu hören, dass die Gruppe zu schnell zu groß geworden sei. Die Verfahren wurden zum 1. Oktober antragsgemäß eröffnet und Rechtsanwalt Stephan Karl Michels von Michels Insolvenzverwaltungen zum Sachwalter bestellt. Für die weiteren Gesellschaften der Gruppe ist die eigenverwaltende Geschäftsführung ebenfalls in vielversprechenden, weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit ernsthaft interessierten Investoren, heißt es.

800 Mitarbeiter an 16 Standorten

Die Salvia-Unternehmensgruppe ist ein mittelständisches und familiengeführtes Unternehmen. Als professioneller Elektrotechnik-Partner für Starkstrom und Schwachstrom ist die Gruppe erfolgreich in den Bereichen Projektmanagement, Stark- und Schwachstromanlagen, Industrieelektrik sowie Wartung und Service tätig.

Mit bislang insgesamt 800 Mitarbeitern an bundesweit 16 Standorten erwirtschaftete die Gruppe zuletzt einen Jahresumsatz von rund 160 Millionen Euro. Zu den Referenzen zählen zahlreiche Großprojekte unter anderem in Berlin, Frankfurt und Stuttgart.

Derzeit lässt Salvia in seiner Heimatstadt Eislingen eine brachliegende Buntweberei komplett umbauen. Sie soll für die Mitarbeiter zum modernsten und digitalsten Bürogebäude der Region werden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt