Nach Pleite: Tausende Kunden von Thomas Cook warten auf Geld

Reisen

Der Staat hat Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook Ausgleichszahlungen zugesichert – die kommen nur schleppend bei den Betroffenen an. Tausende Antragsteller warten auf ihr Geld.

Berlin

11.10.2020, 08:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zehntausende Pauschalreisende von Thomas Cook warten weiter auf Ausgleichszahlungen vom Staat.

Zehntausende Pauschalreisende von Thomas Cook warten weiter auf Ausgleichszahlungen vom Staat. © picture alliance/dpa

Zehntausende Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook warten weiter auf Ausgleichszahlungen vom Staat. Beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) sind mittlerweile rund 70.000 Anträge eingegangen, berichtet ein Sprecher auf Anfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND). Eine Auszahlung sei bisher in rund 12.000 Fällen erfolgt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Worum geht es?

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hatte am 25. September vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Vorausgegangen war die Pleite der gleichnamigen britischen Muttergesellschaft. Thomas Cook hatte schrittweise alle gebuchten Reisen abgesagt, auch wenn sie bereits ganz oder teilweise bezahlt worden waren. Schnell wurde klar, dass die Höhe des Versicherungsschutzes für den Insolvenzfall nicht ausreicht.

Die Bundesregierung hat deshalb im Dezember entschieden, betroffenen Pauschalreisenden den Teil ihrer Ausgaben zu erstatten, der weder von der zuständigen Zurich-Versicherung noch durch Dritte ausgeglichen wird. Hierfür steht seit dem 6. Mai ein Anmeldeverfahren auf der Internetseite des BMJV zur Verfügung.

Welche Marken sind betroffen?

Die freiwillige Ausgleichszahlung der Bundesregierung wird für die Reiseveranstalter Thomas Cook Touristik GmbH, Bucher Reisen & Öger Tours GmbH, Tour Vital Touristik GmbH und Thomas Cook International AG mit Sitz in der Schweiz geleistet. Diese Veranstalter haben Reisen unter diversen Marken vertrieben wie zum Beispiel Neckermann Urlaubswelt, sodass es im Einzelfall schwierig sein kann, den zuständigen Reiseveranstalter zu identifizieren. Hilfe finden Betroffene ebenfalls auf der Internetseite des BMJV. Das Ministerium hat auch einen Wegweiser zum Thema erstellt.

Warum entschädigt die Bundesregierung die Reisenden überhaupt?

Veranstalter sind nach der EU-Pauschal­reise­richtlinie verpflichtet, bereits geleistete Zahlungen von Kunden für den Fall einer Insolvenz abzusichern. Thomas Cook hatte dies im Rahmen einer Kunden­geld­versicherung bei der Zurich PLC getan. Das Problem: Die Versicherung beruft sich auf die in Deutschland geltende gesetzliche Haftungs­begrenzung in Höhe von 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr. Diese Grenze orientiert sich laut Bundesregierung an der Größe der bisher bekannten Insolvenzen von Reise­veranstaltern. „Die Thomas-Cook-Pleite sprengt diesen Rahmen bei Weitem“, heißt es vonseiten des Ministeriums.

Wie die Zurich-Gruppe mitteilte, wurden bereits knapp 60 Millionen Euro der Haftungs­summe dafür aufgebracht, rund 140.000 Pauschalurlauber nach Hause zu holen, die im Urlaub von der Insolvenz des Reise­veranstalters überrascht wurden. „Den verbleibenden 50,4 Millionen Euro steht nach vorläufigen Berechnungen eine Gesamt­schadens­höhe von 287,4 Millionen Euro gegenüber“, heißt es in einer Pressemitteilung der Versicherung. Die Zurich-Gruppe könne den betroffenen Pauschal­reisenden deshalb nur 17,5 Prozent der gezahlten Summe erstatten.

Weil die Bundesregierung selbst Klagen befürchtete, hat sie sich freiwillig dazu bereiterklärt, den Rest der Schadenssumme auszugleichen. Der Verbraucher­schutz­beauftragte der CDU/CSU-Bundes­tags­fraktion, Sebastian Steineke, bestätigte, dass durch die „bisher nachlässige Umsetzung der Pauschal­reise-Richt­linie staats­haftungs­rechtliche Ansprüche im Raum standen“. Damit sich solche Fehler nicht wiederholen, fordert er „schnellstmöglich eine rechtssichere Neuregelungen im Pauschal­reise­recht“.

Wann bekommen die restlichen 58.000 Antragsteller ihr Geld?

Das BMJV und seine Dienstleister arbeiten nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, dass die Geschädigten möglichst zügig ihr Geld zurückbekommen. Allerdings fehlten bei etwa zwei Drittel der Anträge Angaben oder Belege, die nachgefordert werden mussten. Das würde die Auszahlung verzögern. Eine Aussage zur Bearbeitungs­dauer lasse sich laut dem Ministerium nicht treffen, „da diese je nach erforderlicher Nachbearbeitung individuell sehr unterschiedlich ausfällt“.

Wann endet die Antragsfrist?

Noch bis zum 15. November 2020 können betroffene Pauschal­reisende von Thomas Cook und seinen zugehörigen Marken die Ausgleichs­zahlungen vom Staat beantragen. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Anmeldung, fehlende Dokumente können auch nach dem 15. November noch nachgereicht werden.

RND

Lesen Sie jetzt