Nach Protest: Immerather Dom wird abgerissen

Braunkohletagebau

Bei einer Protest-Aktion gegen die Braunkohle hatten Greenpeace-Aktivisten am Montagmorgen eine frühere Kirche besetzt. Der Abriss des Immerather Doms, der als Wahrzeichen für die Region gilt, begann rund fünf Stunden später als geplant.

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Erkelenz

, 08.01.2018 / Lesedauer: 3 min
Nach Protest: Immerather Dom wird abgerissen

Bagger beginnen am Montagnachmittag in Immerath mit dem Abriss der Kirche. Das Gebäude ist ein Wahrzeichen in der Region und wird wegen seiner imposanten Erscheinung im Volksmund Immerather Dom genannt.Tagebaubetreiber RWE Power hatte angekündigt, am Vormittag mit den Abrissarbeiten an der früheren Kirche beginnen zu wollen. Der Ort muss dem Tagebau Garzweiler weichen. © dpa

Nach Angaben der Umweltorganisation kletterten drei Aktivisten im umgesiedelten Ort Erkelenz-Immerath in das mächtige Gebäude. Sie entfalteten an Seilen hängend draußen über dem Portal ein Banner mit der Aufschrift: „Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen“. Außerdem ketteten sich mindestens zwei Aktivisten an einen Bagger, der schon für die Abbrucharbeiten bereit stand. Höhenretter der Polizei holten nach Polizeiangaben die drei Aktivisten von dem Gebäude in Erkelenz-Immerath. Der Abriss der Kirche begann dann rund fünf Stunden später als geplant.

Tagebaubetreiber RWE Power hatte ursprünglich um neun Uhr mit den Abrissarbeiten beginnen wollen. Die Polizei wirkte nach Angaben eines Sprechers in Gesprächen mit den Aktivisten auf ein friedliches Ende der Aktion hin. Das entwidmete Kirchengebäude ist ein Wahrzeichen in der Region und heißt wegen seiner imposanten Erscheinung im Volksmund Immerather Dom.

Für den Klimaschutz sei der Kohleausstieg unvermeidbar, stellte Greenpeace fest und forderte einen schrittweisen sozialverträglichen Kohleausstieg bis 2030. Es gebe ein Überangebot an Braunkohle. Die Abrissarbeiten müssten stoppen, bis die kommende Bundesregierung über die künftige deutsche Energiepolitik und damit über ein mögliches Ende der Kohlenutzung entschieden habe. „RWE schafft in Immerath Fakten, während in Berlin zur gleichen Zeit über ein mögliches Ende der Kohlenutzung beraten wird“, stellte die Organisation mit Blick auf die laufenden Sondierungsgespräche für eine neue große Koalition fest.

Der Sprecher des Tagebaubetreibers RWE Power, Guido Steffen, sagte, es gehe bei dem Protest nicht um den Immerather Dom und auch nicht um den Ort Immerath: „Es ist ein weiteres Schauspiel von Demonstranten gegen die Braunkohle.“ Die Braunkohle trage ein Viertel zur deutschen Stromversorgung bei. „Das zeigt, dass die Braunkohle gebraucht wird“. Sobald die Aktivisten weg seien, werde der Kirchenbau abgetragen. Die Arbeiten sollen zwei Wochen lang dauern.

Das frühere Kirchengebäude der katholische Pfarre St. Lambertus ist seit 2013 entwidmet und damit kein Gotteshaus mehr. Notwendig wird der Abriss nach Angaben von RWE Power wegen des nahenden Braunkohletagebaus Garzweiler: Nach dem Abbau der Autobahn 61 zwischen Wanlo und Jackerath, der im Sommer beginne, würden die Schaufelradbagger die frühere Ortslage von Immerath erreichen.

dpa

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