Nächtliche Tänze zwischen Cellistin und Schauspielerin

Ruhrfestspiele "Danses Nocturnes"

Den meisten Theater- und Konzertbesuchern wird die Lyrik der Amerikanerin Sylvia Plath ebenso fremd sein wie die Cellosolo-Suiten vom britischen Komponisten Benjamin Britten. Und doch erlebten sie am Sonntag im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen eine intensive Stunde.

RECKLINGHAUSEN

, 26.05.2014, 17:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Cellistin Sonia Wieder-Atherton und Schauspielerin Charlotte Rampling traten in einen künstlerischen Dialog.

Cellistin Sonia Wieder-Atherton und Schauspielerin Charlotte Rampling traten in einen künstlerischen Dialog.

Es war eine atmosphärisch dichte, sehr konzentrierte intensive Stunde. Charlotte Rampling rezitierte die Texte auf Englisch (mit deutschen Untertiteln) im Stehen, Sitzen und Liegen – barfuß und mit ungeheurer Intensität.Gedichte vom Tod, von Trauer und Endzeitstimmung hat Sylvia Plath kurz vor ihrem Tod 1963 geschrieben. Und doch lugten aus manchen dieser Melodramen Funken von Humor, die Rampling in diesem Kammerspiel behutsam und leise betonte.

Im Rhythmus näherten sich die Frauen an, in dem der Sprache der Gedichte und in dem von Brittens tänzerischer Musik, die an die Suiten von Bach erinnerte. So entstand immer mehr ein Dialog, in dem die Cellistin die Texte über die Frau in der Gesellschaft und am Abgrund kommentierte, weiterführte oder als Melodram begleitete.Britten war 1963, dem Schlüsseljahr dieser nächtlichen (Todes-)Tänze auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Entsprechend energievoll sind die Suiten, die Sonia Wieder-Atherton mit eindrucksvoller Perfektion spielte.