Neun bemerkenswerte Corona-Regeln: Grenze verläuft zwischen Finger- und Fußnägeln

hzCorona-Schutzverordnung

Es geht um viele ernste Dinge in der neuen Corona-Schutzverordnung. Aber in ihr verstecken sich aber auch kuriose, teils abstruse Regeln – etwa zu Finger-und Fußnägeln.

Dortmund

, 04.11.2020, 11:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einige Regeln, die das Land Nordrhein-Westfalen in seine neue Corona-Schutzverordnung aufgenommen hat, sind bisher wenig bekannt und werden zum Teil auch ignoriert - mit drastischen Folgen für viele Menschen. Das gilt beispielsweise für Besuchsregelungen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Andere Regelungen muten auf den ersten Blick abstrus, zumindest aber merkwürdig an. Wir haben neun von solchen Regeln hier aufgeschrieben.

1. Besuche in Krankenhäusern und Heimen

Für Menschen, die stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen oder in einem Senioren- oder Pflegeheim leben, und ihre Angehörigen versteckt sich im Absatz 2 des Paragraphen 5 der neuen Corona-Schutzverordnung ein ganz wichtiger Satz.

Dort ist zu lesen: „Dabei ist stets zu berücksichtigen, dass die jeweiligen Regelungen nicht zu einer vollständigen Isolation der Betroffenen führen dürfen.“ Das heißt: Bei allen Hygienekonzepten und Maßnahmen, die solche Häuser zum Schutz aller Patienten, Bewohner und Mitarbeiter treffen, darf nie eine komplette Abriegelung erfolgen. In der Vergangenheit klangen die Regelungen aus manchen Häusern anders.

2. Polizei und Rettungskräfte

Rettungskräfte und Polizisten müssen sich bei ihrer Arbeit nicht an Abstandsregeln halten. Eigentlich eine selbstverständliche Sache, trotzdem ausdrücklich in der Verordnung aufgeschrieben.

Rettungskräfte und Polizisten müssen sich bei ihrer Arbeit nicht an Abstandsregeln halten. Eigentlich eine selbstverständliche Sache, trotzdem ausdrücklich in der Verordnung aufgeschrieben. © picture alliance/dpa

Wir haben gelernt, dass man im öffentlichen Raum grundsätzlich einen Abstand von 1,50 Meter zu allen anderen Menschen einhalten soll. Soweit, so gut, aber es gibt eine Reihe von Ausnahmen: in Bussen und Bahnen, in Schulen, Kitas und auf Spielplätzen zum Beispiel gilt diese Vorschrift nicht, da sie gar nicht umsetzbar wäre.

All das wird in der Verordnung aufgelistet und dann wird noch diese Ausnahme genannt: Bei Rettungs-, Feuerwehr- und Polizeieinsätzen. Da wäre man sonst auch sicher nicht drauf gekommen, dass ein Polizist bei einem Abstand von 1,50 Meter keine Handschellen anlegen und ein Sanitäter einem Verletzten nicht die blutende Wunde verbinden kann.

In einem Rechtsstaat müssen Gesetze, Vorschriften und Regelungen sehr genau sein. Jeder Einzelfall muss irgendwo einsortiert werden können, auch wenn es am Ende kurios klingt.

3. Berufsmusiker

Musiker, die ein Blasinstrument spielen, müssen einen besonders großen Abstand zu anderen einhalten.

Musiker, die ein Blasinstrument spielen, müssen einen besonders großen Abstand zu anderen einhalten. © picture alliance / Bernd Settnik

Hier gibt es ausdrücklich eine Regelung für Menschen, die Blasinstrumente spielen oder singen. Die müssen nämlich nicht nur einen Mindestabstand von 1,50 Metern, sondern von zwei Metern zu anderen einhalten. Für Alphornbläser dürfte das eh eine Selbstverständlichkeit sein, aber bei so manchem Trompeter oder Tuba-Bläser könnte man sich fragen, ob da nicht fünf oder sechs Meter doch besser gewesen wären.

4. Konzerte und Aufführungen

Theateraufführungen und Konzerte sind verboten, aber proben dürfen die Profis auch weiterhin.

Theateraufführungen und Konzerte sind verboten, aber proben dürfen die Profis auch weiterhin. © picture alliance/dpa

Konzerte und Theater-Aufführungen sind verboten, sagt die neue Verordnung, aber: Der zur Berufsausübung zählende Probebetrieb ist auch in diesen Zeiten weiterhin erlaubt. Training ist sicherlich wichtig, damit Orchester und Theater-Ensembles in Form bleiben, aber wie bei einem Symphonie-Orchester, einem großen Konzerthaus-Chor oder einem Musical-Ensemble selbst bei Proben die Abstände untereinander eingehalten werden können, bleibt offen.

5. Die Sache mit den Kinos

Kinos sind zu, nur Autokinos sind erlaubt, wobei die Verordnung sagt, dass die Autos (!) 1,50 Meter Abstand voneinander halten müssen.

Kinos sind zu, nur Autokinos sind erlaubt, wobei die Verordnung sagt, dass die Autos (!) 1,50 Meter Abstand voneinander halten müssen. © picture alliance/dpa

Interessant ist die Kino-Regelung. Die müssen bekanntlich geschlossen bleiben. Es gibt nur eine Ausnahme: Autokinos mit einem „Abstand von 1,5 Metern zwischen den Fahrzeugen“ dürfen betrieben werden. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, nicht nur die Autos, sondern auch die Menschen hielten einen so großen Abstand voneinander? Außerdem: Wer setzt sich im Winter zwei Stunden in sein Auto auf einem Parkplatz - es sei denn, er hat eine Standheizung?

6. Sportliches und die Schulen

Im Unterricht müssen die Schülerinnen und Schüler bei Mathe, Geschichte und Deutsch ab der 5. Klassen Masken tragen, im Schulsport aber darf miteinander auch Mannschaftssport betrieben werden.

Im Unterricht müssen die Schülerinnen und Schüler bei Mathe, Geschichte und Deutsch ab der 5. Klassen Masken tragen, im Schulsport aber darf miteinander auch Mannschaftssport betrieben werden. © picture alliance / Hendrik Schmi

Die Ausübung von Team- und Kontaktsportarten ist bis Ende November verboten, auch im Freien. Eine Ausnahme: Schulsport ist erlaubt. Da bleibt die Frage offen, wieso Schülerinnen und Schüler bei Englisch oder Mathe in der Klasse eine Maske tragen sollen, aber dann eine Stunde später beim Fußball, Basketball oder Handball gegeneinander spielen dürfen.

7. Schwimmen ohne Bad

Schwimmen im Schulsport ist erlaubt, aber was nutzt diese Erlaubnis, wenn die Bäder geschlossen sind?

Schwimmen im Schulsport ist erlaubt, aber was nutzt diese Erlaubnis, wenn die Bäder geschlossen sind? © picture alliance/dpa

Apropos Schulsport. Da gibt es nämlich den schönen ausdrücklichen Satz in der Verordnung, dass im Schulsport auch das Schwimmen erlaubt ist und nur zu diesem Zweck die ansonsten geschlossenen Schwimmbäder öffnen dürfen. Das klingt nett, dürfte aber an der Realität vorbei gehen. Rein praktisch betrachtet dürfte kaum eine Stadt oder Bädergesellschaft ihr Hallenbad nur für den Schulsport öffnen.

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8. Trennstrich zwischen Hand und Fuß

Das Feilen an Fingernägeln ist verboten, aber an den Füßen ist es erlaubt.

Das Feilen an Fingernägeln ist verboten, aber an den Füßen ist es erlaubt. © picture alliance / dpa

Sogenannte körpernahe Dienstleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, sind verboten, also beispielsweise Kosmetik- und Nagelstudios, Manikür- und Massagesalons oder Tattoo-Läden. Friseure und Fußpflege-Praxen dürfen öffnen.

Inhaltlich dürfte es schwierig sein, einen Grund für diese Trennung zu finden, das räumte selbst die Kanzlerin am Montag ein. Irgendwo habe man eben einen Trennstrich ziehen müssen, um die Zahl der Kontaktmöglichkeiten zu begrenzen. In diesem Fall scheint der Trennstrich exakt zwischen Finger- und Fußnägeln zu verlaufen.

9. Touristische Reisen

Touristische Übernachtungen sind verboten. Im eigenen Wohnmobil aber darf man zum Beispiel übernachten - das zählt nicht als touristisch.

Touristische Übernachtungen sind verboten. Im eigenen Wohnmobil aber darf man zum Beispiel übernachten - das zählt nicht als touristisch. © picture alliance/dpa

Und dann gibt es da noch das Übernachtungsverbot aus touristischen Gründen. Hier sagt die Corona-Schutzverordnung, es sei „keine touristische Nutzung“, wenn jemand seine Zeit in seiner eigenen Ferienwohnung, seinem Wohnwagen oder Wohnmobil verbringt. Wieso aber man in sein Ferienhaus auf Sylt oder in seine Ferienwohnung in die Alpen fährt, wenn nicht aus touristischen Motiven, ist vielleicht doch noch ein wenig erklärungsbedürftig.

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