NRW-Großstädte verschärfen Corona-Regeln - Bund bietet Hilfe an

Coronavirus

Die Corona-Zahlen steigen vor allem in den großen Städten in NRW immer weiter. Köln und Essen planen Verschärfungen der Auflagen. Darauf dringt auch der Bund und bietet zugleich Hilfe an.

Köln/Essen

09.10.2020, 19:18 Uhr / Lesedauer: 3 min
Essen, hier die Zeche Zollverein, liegt nur knapp unter dem Corona-Schwellenwert.

Essen, hier die Zeche Zollverein, liegt nur knapp unter dem Corona-Schwellenwert. © picture alliance/dpa

Angesichts stark steigender Infektionszahlen verschärfen Nordrhein-Westfalens Großstädte ihre Auflagen gegen die Pandemie. In der größten NRW-Stadt Köln dürfen sich künftig höchstens fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen - bisher waren es zehn, wie Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) am Freitag sagte.

Im öffentlichen Raum soll zudem abends ab 22 Uhr der Konsum von Alkohol verboten sein, an den Wochenenden darf an Hotspots kein Alkohol mehr verkauft werden. Köln führt in Fußgängerzonen eine Maskenpflicht ein.

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Verschärfungen plant auch die Ruhrgebietsmetropole Essen. An der Entwicklung in den Ballungsräumen zeige sich, „ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin nach einer Videokonferenz mit Spitzenvertretern der elf größten deutschen Städte - darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen aus NRW.

Kanzlerin Merkel drängt auf schärfere Maßnahmen

Die Kanzlerin drang auf schärfere Maßnahmen und bot den Städten zugleich Hilfe durch Kräfte der Bundeswehr und des RKI an.

In Essen kündigte Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) nach der Videokonferenz an, Hilfen durch Bundeswehrangehörige zu prüfen. Sobald der kritische Corona-Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner überschritten werde, würden in Essen nur noch Feiern mit maximal 25 (bisher 50) Personen erlaubt. Bereits ab elf Teilnehmern müssten sie angemeldet werden.

In Essen soll es dann eine Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden wie Schulen geben. Die Ruhrgebietsstadt liege derzeit mit 48,2 noch knapp unter dem Schwellenwert, könnte die Grenze aber schon am Wochenende erreichen, sagte Kufen. Für Köln hatte das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit (LZG) den Wert am Freitag mit 49,8 (plus 4,4 im Vergleich zum Vortag) angegeben.

Massiver Anstieg der Zahlen in Herne

Einen massiven Anstieg gab es in Herne: Die Ruhrgebietsstadt kam auf einen Wert von 56,2 (plus 22,4 im Vergleich zum Vortag) und gilt damit jetzt als Corona-Risikogebiet. Solingen erreichte am Freitag einen Infektionsschwellenwert von 50,9. Das Infektionsgeschehen sei „diffus“, so die Stadt, es gebe keine Hotspots. „Die Menschen stecken sich unter anderem in den Familien, bei privaten Feiern, in Sportvereinen an.“

In Leverkusen wird wegen der steigenden Zahlen ein bereits geschlossenes Abstrichzentrum an einem früheren Freibadgelände wiedereröffnet, wie die Stadt mitteilte. Einen starken Anstieg verzeichnete auch Gelsenkirchen, wo die Schwellenzahl auf 47 anstieg.

In seiner Stadt sei dies vor allem die Folge von privaten Feiern: „Der Skatabend, die Familienfeier zu Hause, der Partykeller - da liegen die Probleme“, sagte ein Gelsenkirchener Stadtsprecher.

Hamm lehnt einige private Veranstaltungen ab

In Hamm, der Stadt mit der höchsten Corona-Inzidenzzahl in NRW (74,5) müssen deshalb Feiern auch in privaten Räumen angemeldet werden. „Am letzten Wochenende wurden 80 Veranstaltungen bei uns angemeldet und genehmigt. Eine Handvoll mussten wir ablehnen“, sagt ein Stadtsprecher.

Jede Veranstaltung mit mehr als 100 Menschen sei kontrolliert worden, bei den anderen habe es Stichproben gegeben. Die Stadt hatte nach hohen Infektionszahlen nach einer Hochzeitsfeier die Regeln verschärft und - anders als landesweit - gelten diese auch für Privaträume.

In ganz NRW steckten sich den LZG-Zahlen vom Freitag zufolge 28,6 Menschen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen mit dem Coronavirus an, ein Plus von 1,6 im Vergleich zum Vortag. Nordrhein-Westfalen hat seit Tagen die höchsten Ansteckungsraten aller deutschen Flächenländer.

Lage vor Ort bleibt entscheidend

Entscheidend für Beschränkungen des öffentlichen Lebens ist aber nicht die landesweite Entwicklung, sondern die Lage vor Ort. Über der wichtigen 50er Grenze bei den Neuansteckungen lagen den LZG-Zahlen zufolge am Freitag neben Herne noch Hamm (74,5) und Remscheid (50,3). Hagen, Wuppertal und Unna lagen in den offiziellen Zahlen knapp unter dem wichtigen Warnwert.

Insgesamt liegen damit von den 53 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW nun 12 über der Vorwarnstufe von 35, davon drei über der Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. Die nordrhein-westfälische Corona-Schutzverordnung schreibt vor, dass Kreise und kreisfreie Städte bei Überschreiten der 50er-Schwelle zwingend Einschränkungen für das öffentliche Leben erlassen müssen.

Corona-Regelungen bleiben ein Flickenteppich

So bestimmt die Landesregierung unter anderem, dass Feiern außer Haus dann nur noch aus besonderem Anlass und mit höchsten 25 Teilnehmern erlaubt sind. Mehrere Städte und Kreise hatten bei Überschreiten der 50er-Marke außerdem die Maskenpflicht im Schulunterricht wieder eingeführt, die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen begrenzt oder bestimmt, dass sich in der Öffentlichkeit nur noch Gruppen aus maximal fünf Menschen treffen dürfen.

Die Stadt Siegburg bei Bonn schickte alle Schülerinnen und Schüler vorzeitig in die Herbstferien - wegen der vielen neuen Corona-Fälle bleiben dort an diesem Freitag alle Schulen geschlossen. Was im Einzelnen vor Ort und ab wann gilt, wird dabei immer mehr zum Flickenteppich.

lnw

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