Kostenloser Nahverkehr für ganz Deutschland? Kommunen winken ab

Verkehr

Ein kostenloser ÖPNV nach Luxemburger Vorbild ist in Deutschland nach Ansicht der Städte und Gemeinden nicht machbar. Die Verbraucherzentralen sehen das anders - und machen einen Gegenvorschlag.

Hannover

06.03.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Nutzung von Bussen und Bahnen in Deutschland ist nicht umsonst. Verbraucherzentralen wollen das ändern.

Die Nutzung von Bussen und Bahnen in Deutschland ist nicht umsonst. Verbraucherzentralen wollen das ändern. © picture alliance / dpa

In Luxemburg ist der Nahverkehr seit Anfang des Monats kostenlos. Doch in Deutschland wäre ein solches Vorhaben nicht umsetzbar. Das meint zumindest der Städte- und Gemeindebund. Wie Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem Handelsblatt sagte, wäre ein kostenloser ÖPNV „zurzeit nicht finanzierbar und würde den notwendigen Umbau und die Investitionen verzögern“.

Luxemburg ist das weltweit erste Land mit einem kostenlosen Nahverkehr. Mobilitätsminister François Bausch (Grüne) setzt darauf, dass seine Landsleute in Zukunft öfter das eigene Auto stehen lassen und Bus und Bahn nutzen. „Unser Ziel ist es, bis 2025 rund 20 Prozent mehr Passagiere zu transportieren“, so der Grünen-Politiker.

Städtebund-Hauptgeschäftsführer Landsberg verwies gegenüber dem „Handelsblatt“ aber auf die enormen Kosten, die auf die Kommunen bei einem ähnlichen Schritt zu kämen. Trotz Einnahmen in Höhe von 13 Milliarden Euro durch Ticketverkäufe sei der öffentliche Personennahverkehr ein „Zuschussbetrieb“.

Kommunen experimentieren mit kostenlosen Angeboten

In einigen Regionen deckten Fahrscheine und Abos weniger als 50 Prozent der Kosten ab. Landsberg wirbt daher dafür, zunächst Tarife zu vereinheitlichen, damit Kunden mit einem Jahresticket landesweit alle Verkehrsverbünde nutzen können.

Allerdings gibt es auch in Deutschland Kommunen, die bereits mit kostenlosen Angeboten experimentieren. In mehreren Städten ist der Nahverkehr immerhin an einigen Tagen im Jahr kostenfrei. In Karlsruhe und Münster waren alle Fahren an den Adventssamstagen für die Fahrgäste kostenfrei.

Spätestens ab April will Monheim am Rhein (44.000 Einwohner) für seine Einwohner Busse kostenfrei bereitstellen. Im bayerischen Augsburg sind Busse und Trams im Zentrum seit Jahresbeginn ebenfalls frei nutzbar. Die City-Zone umfasst ein Gebiet von neun Haltestellen. Auch kleine Städte wie das bayerische Pfaffenhofen bieten kostenlose Tickets an.

Verbraucherzentralen: Deutschland solle sich ein Vorbild an Luxemburg nehmen

Aus Sicht der Verbraucherzentralen sind das Schritte in die richtige Richtung. Deutschland solle sich ein Vorbild an Luxemburg nehmen „und die Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr pro Kopf deutlich erhöhen“, sagte die Mobilitätsexpertin der Verbraucherzentralen, Marion Jungbluth, dem Handelsblatt. Steigende Fahrgastzahlen durch einen kostenlosen Nahverkehr sorgten zwar schnell für explodierende Kosten, aber: „Für einzelne Strecken oder überschaubare Bereiche könnte das aber trotzdem in Deutschland klappen“.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: In Luxemburg - dem mit rund 600.000 Einwohnern und einer Fläche von 2586 Quadratkilometern zweitkleinsten Land der EU - hat der Steuerzahler bisher schon 90 Prozent der ÖPNV-Kosten getragen. Durch die Gratis-Politik entstehen für den Staatshaushalt Mehrkosten von „nur“ 41 Millionen Euro. Für das reiche Großherzogtum ist das wahrlich kein Problem.

RND/fh