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„roterkeil.net“ lud zu Konzertabend und Lesung mit Ernesto Cardenal

OLFEN/SENDEN Man nehme: einen Kontrabassisten, einen Querflötisten und einen Saxophonisten aus Deutschland. Dazu: drei Sänger, Percussionisten und Gitarristen aus Argentinien, Chile, Portugal. Und einen katholischen Priester, Dichter und Revolutionär aus Nicaragua.

von Von Matthias Münch

, 18.02.2008

Diese brisante kulturelle Mischung explodierte am vergangenen Freitag auf der Bühne der Steverhalle in Senden. Die Sendener Ortsgruppe von „roterkeil.net“, einem Netzwerk gegen Kinderprostitution, hatte zu diesem ungewöhnlichen Abend mit Konzert und Lesung eingeladen.

Poet, Theologe und Freiheitskämpfer 

Star der Veranstaltung war Ernesto Cardenal – Poet, Theologe und Freiheitskämpfer, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels und Ex-Minister der Revolutionsregierung in Nicaragua. Auch im Alter von 83 Jahren noch gesegnet mit Vitalität, Humor und kraftvollem Ausdruck, was in einigen Strophen durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Seit einigen Jahren tritt Cardenal zusammen mit der Grupo Sal im deutschsprachigen Raum auf. Jetzt begeisterte die Mischung aus lateinamerikanischer Musik und Lyrik mit dem Titel „Canto a la vida“ auch gut 400 Zuhörer in Senden. Cardenals Gedichte erzählten von seinem Leben voll Liebe, Religion und Politik. Von der Angebeteten, die er bedauert, weil sie ihn verschmäht; denn nie wieder wird sie einen finden, der sie so liebt wie er.

Von Cardenals Zeit als Novize in den USA, als der Frühling im Trappistenkloster in ihm die Sehnsucht nach der Heimat weckt. Von dem Unrecht in dieser Heimat, in der die Folterknechte des Diktators Somoza aufsässige Bauern aus dem fliegenden Flugzeug werfen. Und von Befreiung, die der Dichter nicht nur als Erlösung der Menschen, sondern der gesamten gequälten Natur feiert.

Musik der Grupo Sal

An Cardenals Seite in Senden saß Lutz Kliche, der die meisten seiner Werke ins Deutsche übertragen hat. Weit über die Wirkung bloßer Übersetzung hinaus, verlieh Kliche den Gedichten Farbe und Leben.

Bereichert wurde die Lesung von der Grupo Sal. Mit ihren virtuosen, teils eigenwilligen Interpretationen rissen die Band das Publikum mit. Ob kubanische Salsa-Rhythmen, Merengue aus der Dominikanischen Republik oder Rumba aus Argentinien – die sechs Musiker zauberten alles mit Leidenschaft und Dynamik auf die Bühne.

Die Vertrautheit klassischer lateinamerikanischer Klänge wechselte mit jazzigen Einlagen und verblüffend neuen Kreationen. Querflöte, Bongos und Larin Guiter in einer Komposition: Wer die Augen schloss, glaubte Jethro Tull und Santana in ihren besten Zeiten gemeinsam zu hören.

Weitere Veranstaltung in Münster

Wer in Senden nicht dabei sein konnte, kann am 20. Februar nach Münster fahren. Um 19.30 Uhr laden Ernesto Cardenal und die Grupo Sal noch einmal zum „Canto a la vida“ in der Erlöser-Kirche ein. Spenden sammelten die Veranstalter in Senden je zur Hälfte für die Arbeit von „roterkeil.net“ und das von der Grupo Sal, Ernesto Cardenal, Dietmar Schönherr und vielen anderen unterstützte Projekt „pan y arte“.

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