Opfer gefoltert und erschlagen: Handyvideo zeigt Todeskampf

hzLandgericht Bochum

Ein 40-Jähriger soll für einen grausamen Foltertod eines Mannes in Recklinghausen verantwortlich sein. Ein Handyvideo dokumentiert den Todeskampf des Opfers und belastet den mutmaßlichen Täter.

Bochum

, 20.05.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fund einer grausam gefolterten Männerleiche beschäftigt seit Mittwoch das Schwurgericht in Bochum. Zum Auftakt des Prozesses wurde der Angeklagte durch ein Handyvideo schwer belastet.

Der aus Russland stammende Angeklagte hatte sich vor dem Leichenfund am 10. April 2019 häufiger als Mitbewohner in der Wohnung des späteren Opfers (33) aufgehalten. DNA-Spuren in unmittelbarer Nähe der Leiche und die Angaben einer Zeugin, der er angeblich die Tötung gestanden haben soll, hatten ihn schnell zum Hauptverdächtigen gemacht. Als der 40-Jährige am 16. April 2019 von einer Spezialeinheit der Polizei festgenommen werden konnte, befand sich in seiner Jackentasche ein Handy.

Ermittler stoßen auf zwei VIdeos

Bei der Auswertung des Mobiltelefons stießen die Ermittler auf zwei Videos mit Zeitstempeln vom 7. April (18.46 und 18.50 Uhr), die mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzten Minuten des späteren Opfers zeigen. Die Dialoge zwischen einem filmenden und einem gefilmten Mann sind auf Russisch.

„Du Schweinehund hast versucht mich zu verar....“ So übersetzte eine Dolmetscherin am Mittwoch einen Satz des filmenden Mannes. „Entschuldige bitte. Bitte ruf‘ einen Krankenwagen. Ich kann nicht mehr. Ich werde jetzt verrecken“, lautete die Antwort des am Boden liegenden Gefilmten – dem späteren Todesopfer. Die extrem verwaschene Aussprache des 33-Jährigen deutet darauf hin, dass er offenbar zu diesem Zeitpunkt bereits völlig entkräftet gewesen ist.

Opfer soll zu Tode gequält worden sein

Der Angeklagte soll den Wohnungsmieter bei einem Streit um die Preisgabe eines Drogenverstecks zu Tode gequält haben. Laut Mordanklage wurde der 33-Jährige mit einem Antennenkabel an den Händen gefesselt. Danach soll dem Mann mit der heißen Glühbirne einer Stehlampe das Gesicht verbrannt und immer wieder mit dem Sockel der Lampe brutal auf ihn eingeschlagen woren sein. Laut Staatsanwaltschaft war das Opfer von offenen Trümmerbrüchen gezeichnet und letztlich verblutet. Der 40-Jährige soll nach der Tötung Geld, Drogen und ein Handy mitgenommen haben und untergetaucht sein.

Der Angeklagte berief sich vor Gericht auf sein Schweigerecht. Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge. Mit einem Urteil ist voraussichtlich frühestens am 11. September zu rechnen.