Paavo Järvi fegte im Wahnsinnstempo durch Schuberts Musik

Konzerthaus Dortmund

Bis Paavo Järvi 2004 als Chefdirigent kam, spielte die 1980 von Musikstudierenden gegründete Kammerphilharmonie Bremen in der Regionalliga. Jetzt musiziert sie in der Champions League. Nach seinen rasant schnellen Beethoven-Interpretationen (ab 2006) und den ebenso flotten Schumann-Deutungen (ab 2011) stand am Sonntagnachmittag im Konzerthaus Dortmund Schubert auf dem Programm: die „Große Sinfonie“ – sensationell gespielt.

DORTMUND

, 10.05.2015, 19:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Paavo Järvi dirigierte die rasante  Kammerphilharmonie Bremen im Konzerthaus Dortmund.

Paavo Järvi dirigierte die rasante Kammerphilharmonie Bremen im Konzerthaus Dortmund.

Die Bremer sollten jetzt auch alle Schubert-Sinfonien einspielen. Ein Geheimnis des Orchesters ist seine Besetzung: Wenn 15 Bläser mit nur 29 Streichern spielen, klingt das prägnanter und an vielen Stellen neu.  

Wahnsinns-Tempo

Eine schroffe Eleganz gaben die Norddeutschen der letzten Schubert-Sinfonie, zeigten, dass diese Musik in direkter Beethoven-Nachfolge steht. Differenziert klingt trotzdem alles, was Järvi da an dynamischen Kontrasten und Spielfreude aus seinem Orchester herauslockt.

Und am Schluss fegten Järvi in einem Wahnsinns-Tempo durch das Finale. Mit Beethovens „Egmont“ hatten Bremer in ihrer guten alten Beethoven-Ferrari-Tempo-Manier den fulminanten Nachmittag eröffnet.  

Großartige Hillary Hahn

Es folgte mit dem vierten Violinkonzert des Belgiers Henri Vieuxtemps ein selten gespieltes Werk. Für die Amerikanerin Hilary Hahn ist es ein Paradewerk, das sie schon seit 25 Jahren spielt. – Mit so viel traumwandlerischer Sicherheit in den vertrackt schweren Dopppelgriff- und Flageolett-Flügen über das Griffbrett, dass man kaum glauben mag, dass da eine erst 35-Jährige spielt. – Hochschwanger übrigens.

Eleganz und Charisma hat die Geigerin auch; im zweiten Satz, in dem Vieuxtemps der Puccini der Violinkonzert-Komponisten ist, hörte man das. Und in der Zugabe aus der dritten Bach-Partita.  

Aber die Kammerphilharmonie kann auch anders. Nur wie mit einem Bogenhaar gestrichen gab’s als Zugabe „Valse triste“ von Sibelius. So leise hat noch keiner in dem Saal im Konzerthaus Dortmund gespielt. – Ein fantastischer Nachmittag.

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