Pralinen-Manufactur in Rhede hat Insolvenz angemeldet

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Die Pralinen-Manufactur Große-Bölting in Rhede hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet.

von Carola Korff

Rhede

, 15.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Amtsgericht Münster sei dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gefolgt, teilt Pressesprecher Thomas Schulz im Auftrag der Sozietät Stellmach & Bröckers mit.

Markus Küthe werde als neuer Partner der Bocholter Kanzlei den Sanierungsprozess rechtlich und unternehmerisch federführend konzipieren und umsetzen. Als vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Dr. Mike Westkamp von der bundesweit tätigen Wirtschaftskanzlei Görg bestellt.

Viele Kunden mussten ihr Geschäft schließen

„All unsere Kunden – Cafés, Konditoreien, Restaurants, Fachgeschäfte oder der anspruchsvolle Handel – sind derzeit von den Pandemie-Maßnahmen stark betroffen, vielfach sogar komplett geschlossen“, erläutert Lukas Große-Bölting. Bereits vor zweieinhalb Wochen hatte Große-Bölting seine Probleme im Gespräch geschildert. Er rechnete mit einem Umsatzverlust von einer Viertelmillion Euro, weil Cafés und Konditoreien ihre Aufträge storniert haben und Großabnehmer nicht zahlten oder um Zahlungsaufschub baten. Außerdem hatte Große-Bölting noch verderbliche Rohwaren wie Butter und Sahne auf Lager, die er nun nicht mehr verarbeiten konnte.

Gerade zu dieser Jahreszeit traf die Pandemie mit ihren Schließungen und Kontaktverboten den Pralinenhersteller besonders hart. Denn vor Ostern verdient er normalerweise das nötige Geld, um über den Sommer zu kommen, wenn der Appetit auf Schokolade bekanntlich nachlässt. Zudem hatten der lange Sommer 2018 und die Hitze im Jahr 2019 ihm wirtschaftlich bereits zugesetzt.

Insolvenzplan im Frühsommer

„Gemeinsam mit Herrn Küthe und dem vorläufigen Sachwalter nutzen wir diese außergewöhnliche Lage und streben bereits für den Frühsommer einen Insolvenzplan an, um unsere langjährige Familientradition dauerhaft fortzuführen“, sagt Große-Bölting nun. Wesentliche Geschäftspartner unterstützten diesen Sanierungsweg.

Das Team der Kanzlei Stellmach & Bröckers konzentriert sich nach eigenen Angaben darauf, Schwachstellen und Krisenszenarien ihrer Auftraggeber zu analysieren, um individuelle Konzepte zu entwickeln. „Sanierungen werden auf der Einnahmeseite gewonnen“, sagt Insolvenzfachmann Küthe. „Selbstverständlich nutzen wir jetzt die Chance, Strukturen und Prozesse zu optimieren.“ Die Sanierer wollen sich dabei insbesondere um Prozesse in Vertrieb und Marketing kümmern, „um konstant über alle Monate im Jahr hinweg den Absatz und den Umsatz zu steigern“.

Untadeliges Image der Pralinen-Manufactur

Das „untadelige Image der Pralinen-Manufactur, das ausgefallene Produktportfolio qualitativ hochwertiger Pralinen und Schokolade“ sowie die weltweit anerkannten Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter seien weitere Pluspunkte für eine nachhaltige Sanierung, so Küthe weiter.

Zwei Millionen Euro Jahresumsatz

  • Die 1986 gegründete Pralinen-Manufactur Große-Bölting produziert und verkauft mit 40 Beschäftigten in der „gläsernen Manufactur“ hochwertige Pralinen und Schokolade.
  • Pro Jahr werden in Rhede rund 100 Tonnen Schokolade verarbeitet. Hinzu kommen Zutaten wie Butter, Sahne und Brände.
  • Zuletzt erwirtschaftete die Pralinen-Manufactur damit einen Jahresumsatz von über zwei Millionen Euro.
  • Erst vor wenigen Monaten war Große-Bölting eine Kooperation mit Designer Harald Glööckler eingegangen. Unter Glööcklers Marke „Pompöös“ vertreibt die Pralinen-Manufaktur seither 18 Sorten Pralinen sowie Pumps und Handtaschen aus Schokolade.
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