Gute Projekte oder zu viel „Bohei?“ Warum die Bezirksvertretung skeptisch ist

hzNordstadt-Projekte

Freiräume gestalten, Grünflächen schaffen: In der Nordstadt gibt es aktuell viele Projekte. Sicher eine gute Sache. Aber auch mit hohen Kosten verbunden. Das ruft die Skeptiker auf den Plan.

Nordstadt

, 13.09.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine schöne Idee ist das Projekt für kooperative Freiraumentwicklung KoopLab, zu dem Mona Wallraff und Moritz Hans in der Bezirksvertreung am Mittwoch (11. September) im Keuninghaus einen Zwischenbericht abgaben. Im Januar 2018 ist es gestartet. Und zwar an Standorten in Dortmund, Hannover und Leipzig.

„Die gemeinsame Flächengestaltung mit den Bewohnern bringt für den Stadtteil einen großen Mehrwert“, erklärte Mona Wallraff vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in ihrem Vortrag.

In einem Bereich des Blücherparks waren in gemeinschaftlicher Arbeit Hochbeete entstanden, es habe bereits Aktivitäten wie Frühlingsfeste, Picknicks und Tauschbörsen gegeben. Das gemeinsame Gärtnern gebe den Menschen Verantwortung für ihr Quartier – hier fiel das Stichwort „Empowerment“.

Klimaprojekt: Gegen Hitzeinseln, für Trinkbrunnen

Mona Wallraff hob auch die soziale Bedeutung hervor. „Man lernt sich kennen, und baut auf diesem Weg leichter Vorurteile ab.“ Deshalb sei das Projekt gerade für benachteiligte Gruppen wichtig. Demnächst, am 17. September, werde ein Container zur Lagerung von Materialien an den Stadtteil übergeben.

Außerdem kommt bald eine Schulklasse der Libellenschule vorbei, um im Rahmen des Kunstunterrichts eine Wand zu gestalten.

Auch das Projekt „iResilience“ ist in der Nordstadt gestartet. In thematischen Arbeitsgruppen suchen Akteure nach Lösungen für die komplexen, dynamischen Herausforderungen des Klimawandels und der nachhaltigen Entwicklung. Verbundkoordinatorin Stephanie Lübke informierte darüber.

Gute Projekte oder zu viel „Bohei?“ Warum die Bezirksvertretung skeptisch ist

Solche Steingärten sollen möglichst vermieden werden. © Robert Szkudlarek (Symbolfoto)

So gehe es darum, Hitzeinseln und versiegelte Flächen zu vermeiden, Hausbesitzer in Sachen Grünflächengestaltung zu beraten oder kleinere Lösungen zu finden, zum Beispiel Trinkbrunnen zu errichten und Schattenwege aufzuzeigen.

Das Projekt, das auch noch im Dortmunder Jungferntal und in Köln durchgeführt wird, hat ein Gesamtfördervolumen von 1,9 Millionen Euro.

„So viel Bohei“: Projekte nur um der Projekte willen?

Doch in der Bezirksvertretung herrscht trotz allen Wohlwollens auch Skepsis gegenüber den Projekten. „So viel Bohei“, sagt Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder. „Die gute Sache, um die es geht, ist ja völlig unstrittig. Aber das wissen wir doch auch so.“

Nicht alles müsse wissenschaftlich begleitet werden. „Das Quartiersmanagement macht ja sowas auch an verschiedenen Stellen. Da braucht es keine hunderttausende Euro für wissenschaftliche Beobachtung.“

Gute Projekte oder zu viel „Bohei?“ Warum die Bezirksvertretung skeptisch ist

Dr. Ludwig Jörder sieht die Projekte in der Nordstadt auch kritisch. © Peter Bandermann (Archiv)

Seiner Meinung nach würde in vielen solcher Projekte, die mit hohen Summen gefördert würden, mehr geredet als gemacht.

Gerade beim Projekt KoopLab gab es Unmut: „In anderen Fällen werden über so etwas Beschlüsse erteilt. Hier wird man aber nicht beteiligt“, sagt Jörder. Es gebe außerdem viele solcher Aktionen, „und Geräte dafür gibt es beim Quartiersmanagement“.

„Wir sind auf einem guten Weg“

Cornelia Wimmer von der Fraktion „Die Linke & Piraten“ wandte ebenfalls ein: „Viele Leute, die sich kümmern wollen, kriegen keinen Fuß auf den Boden.“ Und Dorian Marius Vornweg (CDU) hakte in Sachen KoopLab nach: „Wen wollen Sie in welche Gesellschaft holen?“

Begriffe wie „sozialer Zusammenhalt und „Empowerment“ seien zu wenig substantiell. „Dieses Problem habe ich bei vielen Projekten.“ Die meisten Vertreter teilen die Befürchtung, dass nach Ende der Projekte alles wieder abflaue.

Moritz Hans von der Koordinierungsstelle „nordwärts“ entgegnete: „Verstetigungsprozesse brauchen Zeit, aber wir sind mit KoopLab auf einem guten Weg.“ Zudem lud er die BV-Vertreter zu weiteren Rückmeldungen ein. „Wir würden uns freuen, diese dann in die Planungen einzubinden.“ Stephanie Lübke vom Projekt „iResiliance“ betonte, dass man die Projekte nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu bestehenden Aktionen sehen solle.

Das Projekt „KoopLab“
  • Das Projekt, das noch bis zum Jahr 2020 läuft, hat zum Ziel, wohnungsnahe Freiräume kooperativ zu gestalten und unter Einbeziehung der Quartiersbewohner und lokaler Akteure gemeinschaftlich zu entwickeln.
  • Der räumliche Fokus liegt auf sogenannten „Ankunftsquartieren“, die von internationaler Migration, einer heterogenen Bewohnerschaft, hoher Fluktuation und sozialer Benachteiligung geprägt sind.
  • Die gesamte Projektumsetzung wird wissenschaftlich dokumentiert und begleitet. Dieses Wissen und die gemachten Erfahrungen sollen an andere Städte weitergegeben werden.
  • In Dortmund sind an der praktischen Umsetzung der Planerladen e.V., das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), das Projekt „nordwärts“ der Stadt Dortmund und das Büro für Freiraum- und Quartiersprojekte beteiligt.
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