Puccinis Oper „Madama Butterfly“ endet in der Oper Dortmund mit einer Überraschung.

Oper Dortmund

Dortmund. Puccinis Oper „Turandot“ war ein Hit der Saison 2018/19 an der Oper Dortmund. Das selbe Regieteam hat nun „Madama Butterfly“ inszeniert. Mit Überraschungen am Schluss.

Dortmund

, 16.09.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Puccinis Oper „Madama Butterfly“ endet in der Oper Dortmund mit einer Überraschung.

Ein Mann zwischen zwei Frauen: Pinkerton (Andrea Shin) heiratet erst Madama Butterfly (Anna Sohn, rechts) später aber die Amerikanerin Kate (Penny Sofroniadou, links).Jauk/Stage Picture © Thomas M. Jauk/Stage Picture

Von Julia Gaß

Dass dieser Sonntagabend kein glückliches Ende nehmen wird, zeigt Regisseur Tomo Sugao dem Publikum von Anfang an und immer wieder. Während die Geisha Cio-Cio-San im Brautkleid an der Seite ihres Bräutigams Pinkerton unter einem Sternenhimmel vom großen Glück träumt, schiebt sich immer wieder eine amerikanische Braut ins Bühnenbild.

Sie ist die Frau, von der Pinkerton träumt, die er heiraten wird, die er aber auch schockieren wird. Sugao macht das sichtbar, was Puccini in der Musik schon in den ersten Minuten erzählt.

Ein Amerikaner macht Handyfotos im Disney-Japan

Pinkerton ist in dieser Inszenierung, die am Sonntag im Dortmunder Opernhaus Premiere gefeiert hat, ein typischer Amerikaner, ein iPhone-Leutnant, der in einer Art Disney-Japan landet: bunt, schrill (Kostüme: Mechthild Seipel), eine Selfie-Welt zwischen japanischer Glücks-Winkekatze und der 15 Jahre jungen Geisha, die für einen wie Pinkerton nur ein Spielzeug ist. Ein Schmetterling, den er einsperrt, festnagelt, ein Mädchen, das sich für ihn entjapanisiert und von der Familie verstoßen lässt.

Allerdings wären heute die Japaner viel eher als die Amerikaner die Menschen, die ihre Handys zücken, um zu filmen, was ihnen vor die Augen kommt. So hat sich die (Puccini-)Welt verändert.

Frank Philipp Schlößmann hat eine gradlinige, abstrakte, schnell verwandelbare Bühne gebaut, die Palast und später Gefängnis der Butterfly ist. Bezeichnenderweise dreht sich dort ein Bild der Freiheitsstatue und durch die Räume irrlichtert die amerikanische Braut wie ein Gespenst. Die Seelenkonflikte der Figuren stehen in dieser Inszenierung im Mittelpunkt.

Musikalische Weltklasse im Orchester

Fnd früher musste man weit reisen, um eine „Butterfly“ in dieser musikalischen Qualität zu hören. Heute reicht die Fahrt nach Dortmund, wo auf Weltklasse-Niveau gesungen und musiziert wird. Generalmusikdirektor Gabriel Feltz stellt mit den glänzend aufgelegten und in üppigen Klängen schwelgenden Dortmunder Philharmonikern die Klangwelten der Cio-Cio-San und die des Pinkerton sehr gut einander gegenüber: die zarte, orientalisch inspirierte der Butterfly und die kraftvolle des Pinkerton.

Und mit wie viel gespenstischer Atmosphäre das Orchester den Psychokrimi im dritten Akt illustriert, ist hoch emotional.

Großartige Solisten machen die Premiere zum Ereignis

Mit der jungen Süd-Koreanerin Anna Sohn hatte diese glanzvolle Dortmunder Saisoneröffnung eine hervorragende Butterfly. Und der Sopranistin mit der schlank geführten Stimme, die aber enorm aufblühen kann, nimmt man ab, dass im ersten Akt Pinkerton ein erst 15-jähriges Mädchen freit. Anna Sohn zeigt mit großer Bühnenpräsenz und Spielfreude wunderbar die Entwicklung zur Frau und Mutter.

Dass ihr Kind groß gewachsen ist für einen Dreijährigen, ist dem neuen Jugendschutzgesetz geschuldet, nachdem Kinder unter sechs Jahren nicht mehr im Theater auftreten dürfen. Pinkerton singt Andrea Shin, ein Tenor mit Paradestimme für Puccinis kraftvollen Hollywood-Schmelz, der deutlich zeigt, wie brutal er mit Frauen spielt.

In den kleineren Rollen sind Hyona Kim als Dienerin Suzuki, Mandla Mndebele als Konsul Sharpless und Fritz Steinbacher als Heiratsvermittler Goro ebenfalls erstklassig besetzt. Die kleine Gesangsrolle der aber auf der Bühne hoch präsenten amerikanischen Braut Kate füllt Penny Sofroniadou, eine junge Sängerin aus dem neuen NRW-Opernstudio, sehr gut aus.

Noch mehr Tragik

Regisseur Tomo Sugao hat schon im Februar mit dem neu kreierten Schluss seiner Dortmunder „Turandot“ überrascht. Auch im letzten Bild der „Butterfly“ hält sich der Japaner nicht an das, was Puccini und seine Librettisten Giacosa und Luigi Illica vorgeben. In seiner Inszenierung ermordet die Butterfly zuerst das Kind, bevor sie sich selbst ersticht. Und Kate Pinkerton ist darüber so erschüttert, dass sie sich von ihrem Mann abwendet. Große Tragik und noch größerer Jubel im fast ausverkauften Opernhaus. Ein toller Start in die Saison.

Termine: 18. / 29. 9., 10. / 19./ 27. 10., 1. /8. 11., 21. /25. 12., 10. 1., 9. 2.; Karten: Tel. (02 31) 502 72 22 oder www.theaterdo.de
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