Professionell organisierter Schwarzhandel: Millionen Zigaretten geschmuggelt

hzProzess

Vor dem Bochumer Landgericht ist ein Prozess mit schwindelerregend hohen Zahlen gestartet. Es geht um Schwarzhandel mit 32 Millionen Zigaretten – und einem Schaden von 7,2 Millionen Euro.

Bochum

, 05.05.2020, 19:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp sechs Monate nach ihrer Festnahme müssen sich seit Dienstag vier Männer (40,41,43 und 51 Jahre) aus Oer-Erkenschwick, Herten, Essen und dem Raum Fulda vor der 6. Wirtschaftsstrafkammer am Bochumer Landgericht verantworten. Es geht um rund 32 Millionen Schmuggelzigaretten aus Osteuropa.

Das angeklagte Quartett soll seit 2016 im Ruhrgebiet einen professionell organisierten Schwarzhandel mit unverzollten sowie unversteuerten Zigaretten betrieben haben. Der Schaden durch die am Fiskus vorbeigeschleusten Abgaben und Steuern (Tabaksteuer, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer) beläuft sich laut Anklage der zuständigen Staatsanwaltschaft Bielefeld auf knapp 7,2 Millionen Euro.

Zigaretten zum Schnäppchenpreis verkauft

Während sich der 51-jährige Angeklagte aus Herten überwiegend um den Vertrieb der Zigaretten gekümmert haben soll, soll der 40-jährige Hauptangeklagte aus Oer-Erkenschwick den Zigarettenankauf, die Finanzierung und die Auswahl verschiedener Lagerstätten übernommen haben. Die weiteren Mitangeklagten – zwei Cousins - sollen als eine Art Zwischenhändler fungiert haben. Für die Be- und Entladung der Transport-Fahrzeuge soll der Angeklagte aus Oer-Erkenschwick einen Hochhubwagen eingesetzt haben.

Die offenbar überwiegend in Kleintransportern aus Moldawien und dem Baltikum eingeschmuggelten Zigaretten der Marken „Regal“ und „L&M“ sollen von der Gruppierung hierzulande zu wahren Schnäppchenpreisen verkauft worden sein. Laut Anklage betrug der Verkaufspreis pro Stange (200 Zigaretten) zwischen 16 und 19 Euro und lag mithin weit unter dem üblichen Preisen von bis zu 65 Euro.

XXL-Garagen in drei Städten als Lagerbunker genutzt

Allein die entgangene Tabaksteuer für eine Stange Schmuggelzigaretten soll sich laut Anklage der in diesem Verfahren zuständigen Staatsanwaltschaft Bielefeld auf mehr als 30 Euro belaufen. Der in Deutschland entstandene Zoll wird mit rund vier Euro pro Stange, die Einfuhrumsatzsteuer mir rund acht Euro pro Stange beziffert.

Als Lagerbunker für die Schmuggelzigaretten sollen unter anderem XXL-Garagen in Waltrop, Castrop-Rauxel und Bottrop genutzt worden sein. Zwei von vier Angeklagten sitzen seit Mitte November 2019 in U-Haft. Für den Prozess hat die 6. Wirtschaftsstrafkammer am Bochumer Landgericht vorerst 16 Verhandlungstage anberaumt. Mit einem Urteil ist voraussichtlich frühestens Mitte Juli zu rechnen.

Lesen Sie jetzt