Rentner (70) in Lebensgefahr: Niemand kann sich an den Tathergang erinnern

hzLandgericht Essen

Ein Ex-Pflegedienstleiter prügelt auf einen 70-jährigen Renter ein. Anfangs ist vor dem Landgericht in Essen sogar von versuchtem Totschlag die Rede. Doch dann kam es ganz anders.

Essen

, 27.04.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst wurde mächtig gebechert, dann ging es drunter und drüber: Ausgerechnet ein ehemaliger Pflegedienstleiter ist am Montag wegen Körperverletzung verurteilt worden. Zu Beginn des Prozesses war sogar von versuchtem Totschlag die Rede.

Laube glich einem Spirituosen-Kiosk

Tatort war ein äußerst gepflegter Schrebergarten in Essen. Hier hatte ein Bekannter des Angeklagten seine Laube in ein echtes Kleinod verwandelt. Besonders beliebt war vor allem die Spirituosen-Sammlung. Vor Gericht hatten Zeugen das Gartenhaus sogar mit einer Art Kiosk verglichen – nur ohne Preisschilder.

Bei dem 70-Jährigen gab es offenbar alles, was das Herz begehrt. Was wohl auch den Angeklagten gereizt hat.

Whisky – bis die Erinnerung aussetzte

Obwohl er aufgrund seines Jobs als Pflegedienstleister eigentlich nie Alkohol trinkt, ließ er sich diesmal munter einschenken – vor allem Whisky. „An das dritte Glas kann ich mich noch erinnern, sagte er den Richtern. „Dann war Schluss.“

Was danach passiert ist, ist unklar. Die Richter hatten große Schwierigkeiten, überhaupt irgendeinen Ablauf zu rekonstruieren. Schuld war der Alkohol. Alle, die damals mit dabei waren, hatten jede Menge getrunken und konnten sich im Zeugenstand kaum vernünftig erinnern. Beim Angeklagten waren später rund 2,5 Promille festgestellt worden.

Art des Schlages blieb völlig unklar

Es konnte nicht einmal mehr festgestellt werden, wie der 44-Jährige überhaupt zugeschlagen hat. Mit einem Stock? Mit der Faust?

Bei dem 70-jährigen Rentner waren später Blutungen unter der Hirnhaut, Rippen-Serienbrüche und eine Lungenverletzung festgestellt worden. Doch das könnte auch alles durch einen Sturz verursacht worden sein. Der Senior war nach dem Schlag sofort zu Boden gegangen. „Der Sturz und die Folgen waren lebensgefährlich – nicht der Schlag“, hieß es im Urteil.

Streit nach ausländerfeindlichen Sprüchen?

Der Angeklagte hatte später noch versucht, mit dem Auto zu fliehen. Weit kam er jedoch nicht. Er kam von der Straße ab, prallte vor eine Mauer.

Als er später im Krankenhaus aus seinem Alkoholrausch erwachte, verstand er die Welt nicht mehr. Der 70-Jährige sei doch eine „super Typ“ gewesen. Vor Gericht hat er sich bei dem Rentner entschuldigt. Und die Entschuldigung wurde auch angenommen.

So haben die Richter am Essener Schwurgericht haben am Ende Milde walten lassen. Die Strafe: gerade mal ein Jahr Haft auf Bewährung.

Warum der Streit überhaupt entstanden ist: Der Angeklagte erinnerte sich an ausländerfeindliche Sprüche eines anderen Gartengastes. „Das muss mich wohl wütend gemacht haben“, sagte er den Richtern.

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