Revolte auf der Litfaßsäule

ESSEN Während auf der Baustelle hinter dem Altbau des Essener Museum Folkwang die Wände für das neue Gebäude hochgezogen werden, wüten im erhaltenen gebliebenen Teil des Museums Revolutionäre, Linke und Nackedeis.

von Von Nadja Schöler

, 11.01.2008, 18:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Revolte auf der Litfaßsäule

Den Fasching im Haar: Werbeplakat von 1968.

Wir schreiben das Jahr 1968: Martin Luther King predigt gegen die Unterdrückung der Schwarzen, Rudi Dutschke kämpft an vorderster Front der Studentenbewegung gegen den Kapitalismus, Minirock, nackte Haut und Konsumartikel eroberten Werbeflächen und Kinoleinwände. Ikonen der 68er-Generation bevölkern ab dem heutigen Samstag das Museum Folkwang. Und es riecht nach Revolution. Die hatte sich damals besonders auf die Plakatkultur niedergeschlagen. Die Ausstellung "Politik, Pop und Afri-Cola. 68er Plakate" des Deutschen Plakatmuseums ist eine von drei Ausstellungen, mit denen ein Teil des Museums seine Türen wieder öffnet.

Bunt, bewegt und freizügig

So wie die Kultur und das Lebensgefühl der 68er Einfluss auf alle Bereiche der Gesellschaft hatten, zeigt das Museum Plakate aus diesem ereignisreichen Jahr. Was die Pop Art-Protagonisten für die Kunst gewesen sind, waren die sexuelle Freizügigkeit im Film und die Anti-Vietnam-Bewegung in der Politik. Außerdem werden Plakate aus den Bereichen Musik, Unterhaltung und Freizeit sowie Produkte und Dienstleistungen gezeigt.

Bunt, bewegt und freizügig wurden damals zeitgenössische Ikonen einer neugeborenen Jugendkultur präsentiert. Politischen Aussagen wie "Alle reden vom Wetter, wir nicht" wurden Werbeslogans wie "Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola" für Afri-Cola entgegengesetzt. Im Bereich Musik zeugen Werbeplakate von der Bedeutung der Stadt Essen, in der 1968 das erste europäische Musikfestival stattgefunden hatte. Die "Essener Songtage", bei denen auch Frank Zappa aufgetreten war (man findet in der Ausstellung ein Plakat von Zappa auf einer Toilette sitzend), gelten als Geburtsstunde des so genannten Deutsch- oder Krautrocks. Im Neubau des Museum Folkwang wird das Deutsche Plakatmuseum ab 2010 einen festen Platz haben.

Museum Folkwang Essen: Politik, Pop und Afri-Cola. 68er Plakate.", Kahrstraße 16, Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-21 Uhr, bis 16. März. Ein Bericht über die beiden anderen Ausstellungen folgt.