Säugling Feuchttücher in den Mund gestopft: Vater muss ins Gefängnis

hzGerichtsprozess

Ein 22-Jähriger konnte die Schreie seines Sohnes einfach nicht mehr hören und stopfte ihm Feuchttücher in den Mund. Für seine Tat wurde er nun zu einer Haftstrafe verurteilt.

Essen

, 05.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es war wohl eine Mischung aus Überforderung, Wut und Gedankenlosigkeit: Weil sein drei Monate alter Sohn nicht aufhören wollte zu schreien, soll ein Vater aus Essen dem Säugling im Oktober 2019 Feuchttücher in den Mund gestopft haben. Am Freitag ist der 22-Jährige zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Richterin spricht von „potenzieller Lebensgefahr“

„Es ging ihm darum, Ruhe zu haben“, sagte Richterin Ute Postert in der Urteilsbegründung des Essener Landgerichts. Dass nicht mehr passiert ist, sei nur der Mutter zu verdanken. Sie habe dem Jungen die Feuchttücher früh genug wieder aus dem Mund gezogen. Trotzdem habe „potenzielle Lebensgefahr“ bestanden. Man könne sogar an ein „versuchtes Tötungsdelikt“ denken.

Der kleine Liam hatte offenbar Hunger, musste außerdem gewickelt werden. In dieser Situation habe der Angeklagte zu den Feuchttüchern gegriffen. „Jeder, der eigene Kinder hat, weiß, dass schreiende Säuglinge einen an den Rand der Verzweiflung bringen können“, so Richterin Postert. Der Angeklagte, der unter einer Intelligenzminderung leide, habe in dieser Situation einfach nicht nachgedacht.

„Säuglinge können nur schreien“

Trotzdem dürfe nicht vergessen werden, dass Liam ein Opfer gewesen sei, dass sich nicht habe wehren können. „Säuglinge können nicht mit dem Finger auf eine Flasche zeigen oder sich die Feuchttücher wieder aus dem Mund ziehen. Sie können nur schreien.“

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bis zuletzt bestritten und behauptet, dass Liams Mutter die Täterin sei. Überzeugen konnte er die Richter allerdings nicht.

In das Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung ist noch eine frühere Verurteilung mit eingeflossen. Der Angeklagte war bereits Anfang des Jahres verurteilt worden, weil er seine schwangere Freundin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt hatte. Diese beiden Strafen sind nun zusammengezogen worden.

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