Schau zeigt „Artige Kunst“ der NS-Zeit

Bochumer Museum unter Tage

Die Kuratoren des Bochumer Museums unter Tage haben bewusst einen polemisch-ironischen Titel für ihre neue Ausstellung gewählt: "Artige Kunst" zeigt exemplarisch deutsche Kunstwerke aus der NS-Zeit, die offiziell geduldet und gefördert wurden.

Bochum

, 04.11.2016, 17:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hans Schmitz-Wiedenbrücks 1939 entstandenes  'Familienbild" gehört zu den bekannten Exponaten der Schau in Bochum.

Hans Schmitz-Wiedenbrücks 1939 entstandenes 'Familienbild" gehört zu den bekannten Exponaten der Schau in Bochum.

Kontrastiert werden sie durch Werke, die das Nazi-Regime als "entartete Kunst" bezeichnet und verboten hat. "Ich hatte Scheu und Schiss vor dieser Ausstellung", gesteht Jan-Uwe Neumann von der kooperierenden Kunsthalle Rostock ein, in die die Schau nach ihrer Station in Bochum wandert.

"Ich spüre immer noch ein gewisses Unbehagen dabei, diesen Arbeiten einen musealen Kontext zu geben."

Ausdruck des Unbehagens

Die konkrete Umsetzung der Ausstellung ist Ausdruck dieses Unbehagens und verfolgt die Kernthese Silke von Berswordt-Wallrabes vom Museumsbetreiber Stiftung Situation Kunst: "Diese Kunst ist unaufrichtig, unwahrhaftig. Sie schafft einen Raum, der politik- und krisenfrei ist."

Es ist nämlich nicht in erster Linie Propaganda, die die Künstler im Sinn hatten. Auf Bildern wie "Pflügen" von Paul Junghanns oder "Bauernmahl" von Herman Otto Hoyer wird der Betrachter konfrontiert mit ländlichen Idyllen, die stilistisch weit hinter die Moderne zurücktreten und die Wirklichkeit einer hoch industrialisierten Gesellschaft komplett ausblenden.

Ebenso "artig" und "erwünscht" waren Szenen aus der Mythologie wie Ivo Saligers "Die Rast der Diana" - makellose Körper in fast schon steriler, bruchlos "schöner" Landschaft.

Gestählte Körper

Regelrecht gespenstisch wirkt die von den Nazis geförderte Kunst mit Gemälden wie Gerhard Keils "Turner" oder Skulpturen Arno Brekers, der auch nach dem Krieg noch angesehen war und sogar Adenauer in Bronze gießen durfte: Hier sind Menschen zu sehen, denen jede Individualität genommen ist - gleichgeschaltete, normierte, gestählte Körper.

Gleich das erste Bild der Schau stellt diesen Darstellungen ein anderes Bild der historischen Wirklichkeit gegenüber: Sgt. Harry Oakes Fotografie eines Leichenberges bei der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen.

Museum unter Tage - Situation Kunst in Bochum: "Artige Kunst", 5.11.2016-9.4.2017, Nevelstr. 29 c im Park von Haus Weitmar, Mi-Fr 14-18, Sa/So/Feiertage 12-18 Uhr, Eintritt 5 (erm. 3) Euro.

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