Schauspiellehrer Adewale Teodros Adebisi über die Kunst des Küssens

Tag des Kusses

Übung macht den Meister. Doch gilt das auch fürs Küssen? Insbesondere für das Küssen auf der Bühne? Adewale Teodros Adebisi ist Dozent für Darstellung an der Schauspielschule Bochum. Er verrät die Tricks der Schauspieler für die perfekte Kuss-Szene.

von Von Anne-Kathrin Neumann

, 03.07.2009, 17:16 Uhr / Lesedauer: 1 min

Müssen Schauspieler das Küssen eigentlich erst lernen, bevor der Vorhang aufgeht? Adewale Teodros Adebisi: Nein. Küssen kann jeder. Wichtig ist nur, dass man eine gewisse Authentizität rüber bringt, einen Wiedererkennungswert fürs Publikum schafft. Bestimmte Techniken gibt es also nicht.Ein Kuss kann sehr viel aussagen. Woher weiß ein Schauspieler, wie er küssen soll?

Adewale Teodros Adebisi: Jede Figur hat ihr Geheimnis. Und die Beziehung zwischen den Figuren bestimmt, wie die Kussszene ausfällt. Außerdem ist die Situation, in der sich die Figuren befinden, ganz entscheidend. Natürlich spielt auch die Interpretation durch den Regisseur eine Rolle. Der Kuss in einer konventionellen Inszenierung unterscheidet sich von dem in einer modernen Fassung.Könnten Sie einige Kuss-Beispiele nennen?

Adewale Teodros Adebisi: Wenn sich ein Paar zum ersten Mal in einem öffentlichen Park trifft und die Szene im 16. Jahrhundert spielt, findet eher ein verstecktes Spiel um den Kuss statt. Setzen sich die Figuren jedoch über die Konventionen hinweg, fällt der Kuss schon wieder anders aus. Oder ein anderes Beispiel: Auf dem höchsten Punkt einer harmonischen Beziehung ist die Sehnsucht der Figuren nach einem Kuss sehr groß. Ganz anders sieht die Situation aus, wenn sich ein eingespieltes Paar einen rituellen, alltäglichen Kuss zum Abschied gibt, beispielsweise morgens vor der Arbeit. Ein Kuss erzählt, was bisher in der Beziehung der Figuren passiert ist. Er ist ein Manifest eines Momentes. Darauf stellt sich der Schauspieler ein.

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