Schützt Nasenspray vor Corona? Mainzer Wissenschaftler entdecken Hemmer

Coronavirus

Mit einem neu entdeckten Mittel sollen Corona-Infektionen vermieden werden können. Das Mittel könnte als Prophylaxe dienen und soll als Nasenspray eingenommen werden.

Hannover

03.10.2020, 21:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Nasenspray gegen Corona. Wissenschaftler entdecken ein neues Mittel.

Ein Nasenspray gegen Corona. Wissenschaftler entdecken ein neues Mittel. © picture alliance / dpa

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz haben ein Mittel entdeckt, mit dem Corona-Infektionen vermieden werden können. Das könne beispielsweise als Nasensprays eingenommen werden und so zur Entwicklung einer medikamentösen Prophylaxe von Covid-19 führen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift “Biochemical Pharmacology”.

Bei dem Wirkstoff handelt es sich um sogenannte anorganische Polyphosphate. ”Anorganische Polyphosphate sind lange Ketten aus Phosphatbausteinen. Sie werden von den Blutplättchen gebildet und kommen in allen menschlichen Zellen vor.

Von einigen ist bereits bekannt, dass sie die Bindung von AIDS-Viren an deren potenzielle Wirtszellen hemmen”, schreiben die Forscher. Somit könnte das Mittel vor allem Menschen helfen, die zu wenige Blutplättchen haben und dadurch ein erhöhtes Risiko aufweisen, eine Sars-CoV-2-Infektion zu erleiden.

Das Andocken der Viren verhindern

Mithilfe von Computermodellen habe man nun nachweisen können, dass diese Polyphosphate auch Infektionen mit Coronaviren verhindern können, wie der zuständige Forschungsleiter Professor Werner Müller vom Institut für Physiologische Chemie erklärt.

Anorganische Polyphosphate würden eine Infektionen verhindern können, indem sie sich mit sogenannten Spikeproteinen verbinden und dadurch das Andocken der Viren an die Zellen unterbinden. Spikeproteine sind im Grunde der Schlüssel zur Wirtszelle.

Es erlaubt dem Virus, sich an Zellen anzuheften und anschließend mit den Zellen zu verschmelzen, um so seine Erbinformation für die virale Vermehrung in die Zellen einzuschleusen.

Mittel kann als Nasenspray verwendet werden

Außerdem haben die Forscher einen weiteren, bisher unbekannten Effekt beobachtet: “Anorganische Polyphosphate stimulieren offenbar die Funktion der Mukus produzierenden Schleimhaut, die als Teil des angeborenen Immunsystems die Atemwege und die Lunge allgemein vor dem Eindringen von Viren, auch von Sars-CoV-2, schützt.” Damit hätte man neue “Angriffsmöglichkeiten” gegen Sars-CoV-2 entdeckt.

Das Team hat nach eigenen Angaben bereits spezielle Nanopartikel entwickelt, in die der Wirkstoff verpackt wurde – Menschen könnten das Mittel dann beispielsweise in Form von Nasenspray anwenden.

Anorganische Polyphosphate seien zudem ungiftig, synthetisch herstellbar und einfach vom menschlichen Körper abzubauen. Sie werden beispielsweise auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, um Lebensmittel länger haltbar zu machen. Nun suchen die Forscher Investoren für ihr Mittel.

Nanopartikel als Heilmittel?

US-Wissenschaftler berichteten bereits vor einigen Wochen, dass sich aus Nanopartikeln ein möglicherweise per Nasenspray verabreichbares Medikament entwickeln lässt. Laut Forschern der UC San Francisco soll das Mittel Coronaviren vom Vordringen in Körperzellen abhalten.

Im Laborversuch hätten Nanobodys an spezielle Oberflächenstrukturen des Coronavirus angedockt. Einmal gebunden, würden sie demnach nicht mehr loslassen und das Virus komplett deaktivieren. Das Präparat könne laut Forschern für einen 24-stündigen Schutz sorgen.

Ob das Mittel tatsächlich wirkt, ob es sicher ist und welche Nebenwirkungen es gibt, ist bislang unklar. Tests an Tieren oder Menschen sind noch nicht durchgeführt worden. Dafür seien aufwendige und zeitintensive Tests nötig – und die Erforschung von Nanopartikeln als Einsatz gegen Coronaviren steht erst ganz am Anfang.

RND

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