„Schwanensee“ ist ein Liebestraum am See

Aalto-Oper Essen

„Schwanensee“ – da leuchten die Augen der Ballettfreunde. Essen zeigt die Rekonstruktion der Petipa-Choreografie. Mit einer Veränderung.

Essen

, 28.01.2018, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Siegfried (Liam Blair) und Odette (Mika Yoneyama) im weißen Akt von Tschaikowskys „Schwanensee“ Foto: Stöss

Siegfried (Liam Blair) und Odette (Mika Yoneyama) im weißen Akt von Tschaikowskys „Schwanensee“ Foto: Stöss © ©Bettina Stöß

Tschaikowskys Ballett „Schwanensee“ ist märchenhaft schön. Und in der klassischen Choreografie von Marius Petipa ist es ein Traum. Der Essener Ballettchef Ben Van Cauwenbergh hat die schöne, alte Choreografie von Petipa rekonstruiert und behutsam, nur in kleinen Gesten und Szenen verändert. Die umjubelte Premiere feierte die Augenweide am Samstag in der ausverkauften Essener Aalto-Oper, auf den Tag genau 122 Jahre nach der Erstaufführung des Balletts von Petipa in Petersburg. Ein Geschenk zum 200. Geburtstag des Choreografen am 11. März.

In diesem Ballett gibt es mehrere Varianten des Schlussbildes: Prinz Siegfried oder der weiße Schwan sterben oder beide sterben, oder beide werden zusammen glücklich. In Essen erlebt Siegfried seine Schwanenromanze im Traum.

Märchenhafte Bilder

Der Prinz stürzt sich am Schluss noch in die Fluten, um Odette zu retten. Van Cauwenbergh und seine in klassischen Balletten wie „Nussknacker“ und „Don Quichotte“ in Essen gefeierte Ausstatterin Dorin Gal setzen das wirkungsvoll mit einem blauen Tuch in Szene. Aber er wacht danach aus dem Traum wieder auf.

Liam Blair ist ein erstklassiger Siegfried, der Petipas schwere Schrittfolgen und Sprünge, die immer noch Standardrepertoire bei den Abschlussprüfungen an den Hochschulen sind, mit hoher Präzision präsentiert.

Schwarzer Schwan war noch eindrucksvoller als der weiße

Mika Yoneyama hat als Odette und Odile eine etwas kühlere Ausstrahlung, wirkt als schwarzer Schwan präsenter als in der Rolle des Pendants im weißen Tütü. Aber technisch ist diese hochgewachsene Ballerina ebenfalls nahezu perfekt.

Einen kraftvollen Rotbart hat die Compagnie mit Moisés León Noriega und mit Davit Jeyranyan einen quirligen Benno.

18 weiße Schwäne

18 weiße Schwäne – und dazu natürlich die vier kleinen Schwäne – bringt Van Cauwenbergh mit seiner Compagnie im zweiten Akt auf die Bühne. Und auch in den Einlagetänzen des dritten Aktes sind die Soli der ungarischen, polnischen und spanischen Gäste des Festes vortrefflich besetzt.

Dorin Gal und Lichtdesigner Bernd Hagemeyer haben dazu Räume mit reduzierter, aber märchenhafter Ausstattung geschaffen.

Die mehr als 100 Jahre alte Choreografie von Petipa wirkt auf uns heute etwas langsam. Und Johannes Witt trieb die Essener Philharmoniker im Graben auch nicht zu flotten Tempi. Was man da hörte, waren große, runde Tschaikowsky-Klänge, flüssig und großartig süffig gespielt. Und die Körperspannung der Solisten bei den langsamen Bewegungen ist eindrucksvoll.

Zeitlos schön

Nicht nur für Prinz Siegfried ist der Essener „Schwanensee“ ein Traum. Freunde des klassischen Balletts sollten sich dieses zeitlos schöne Tanzfest gönnen.

Termine: 31.1., 1./3./16./ 23./ 25.2., 7./11./24./29.3., 10.5., 2./21.6.; Karten: Tel. (0201) 8122200.
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