Schweinepest-Befund: Wie die Betroffenen im Kreis Borken reagieren

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Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, aber die heimische Landwirtschaft könnte die Krankheit treffen wie keine der Viehseuchen der vergangenen Jahrzehnte.

von Josef Barnekapm

Kreis Borken

, 11.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem ersten bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland in Brandenburg zeigten sich am Donnerstag der Kreis Borken und der Bauernverband vor Ort besorgt – vor allem ob der möglichen wirtschaftlichen Folgen für die „Schweineregion Westmünsterland.“

Was die veterinärmedizinische Seite angehe, so sagte Landrat Dr. Kai Zwicker nach einer Besprechung mit seinen Fachleuten, dass der Kreis „gut gerüstet und gewappnet“ sei. Er betonte, dass es kreisweit keinen ASP-Fall gebe – weder bei Wild- noch bei Hausschweinen und dass deswegen derzeit auch keine Maßnahmen wie Sperrbezirke oder ähnliches erforderlich seien.

Kapazität der Schlachthöfe abgefragt

Ungeachtet dessen habe man über die Kapazität der Schlachthöfe im Kreis gesprochen, über Fragen der Tierkörperbeseitigung und ähnliches. Der Kreis Borken habe sich schon seit Jahren intensiv mit dem Thema befasst und letzte Handreichungen dazu noch vor ein paar Wochen aktualisiert. Im vergangenen Jahr hatte der Kreis noch eine Stabsübung dazu organisiert.

„Die Frage ist jetzt, wie der Markt reagiert“, zeigte sich Zwicker besorgt, was die wirtschaftlichen Auswirkungen angeht, Die können –wenn wichtige Abnehmer wie China keine deutsches Schweinfleisch einführen – immens sein. Gerade für Teile wie Innereien, Pfoten und Schwänze etwa gehen ganz überwiegend dorthin. Zwicker appellierte gestern noch einmal dringlich an alle Jäger, angesichts einer möglichen Einschleppung des Virus auf Jagdreisen zu verzichten.

Für den Landwirtschaftlichen Kreisverband sagte dessen Vorsitzender Ludger Schulze Beiering, dass der ASP-Seuchenfall bereits seit Jahren „wie ein Damoklesschwert“ über der regionalen Schweinhaltung geschwebt sei. „Als Interessenvertreter und selber auch als Schweinehalter erwarte ich nun von Politik und Verwaltung die entschiedene Umsetzung der erarbeiteten Krisenpläne, um dadurch die unvermeidlichen wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen“, so der Weseker Landwirt.

Warnung vor Katastrophenstimmung

Seine Berufskollegen warnte Schulze Beiering „vor einer übereilten Katastrophenstimmung.“ Wie der Landrat verweist auch Schulze Beiering darauf, dass es aktuell im Westmünsterland keinerlei Einschränkungen, etwa bezüglich der Tiertransporte gebe. Der Vorsitzende des WLV-Kreisverbandes mahnte an, aus ASP-Risikogebieten keine Schweinefleischerzeugnisse mitzubringen. Zudem solle man, wenn man ein totes Wildschwein finde, es nicht anfassen, sondern sofort das Kreisveterinäramt informieren.

Zum Hintergrund: Zum ersten Mal war jetzt in Deutschland die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen. Ein Wildschwein-Kadaver war wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis gefunden worden.

Eine Probe des toten Tieres wurde im Friedrich-Loeffler-Institut virologisch untersucht. Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) teilte am Donnerstag das Ergebnis mit: Es ist positiv. Für Menschen sind die Viren ungefährlich, für Wild- und Hausschweine aber meist tödlich.

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Welche Auswirkungen diese Nachricht auf die heimischen Landwirte im Kreis Borken hat, wird gerade besprochen. Im Kreishaus haben sich Veterinäre versammelt und diskutieren die Lage. Auch der Landwirtschaftliche Kreisverband will sich zu dem Thema äußern.

„Der Kreis ist gut gerüstet und vorbereitet“, sagt Dr. Kai Zwicker in einem Telefonat mit der Zeitung. Der Landrat betont, dass es im Kreis aktuell keinen Fall gibt, weswegen die Veterinäre auch noch nicht in Alarmbereitschaft stehen. Dennoch werde das Vorgehen nun genau beobachtet.

Infos zu Schweinen im Kreis Borken

Laut der bislang letzten Bestandaufnahme der Landwirtschaft im Kreis Borken 2016 gibt es im Kreis Borken rund eine Million Schweine. Damit steht rund jedes siebte Borstenvieh in Nordrhein-Westfalen in einem Stall im Kreisgebiet. Bundesweit gibt es rund 25 Millionen Hausschweine.

2018 zählte der Kreis Borken rund 1650 Schweinehalter im Kreisgebiet, darunter gut 300, die Zuchtsauen hielten.

Schwerpunkte der Schweinehaltung im Kreis Borken sind laut Erhebung von 2016 Borken (160 Betriebe/136.000 Tiere), Ahaus (198 Betriebe/120.000 Schweine) und Schöppingen (95 Halter/84.000 Schweine.

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