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Aus Staub geboren: Das neue Künstlerhaus

SCHWERTE Staub ist nicht gleich Staub. Mal füllt ein weißer Nebel den Raum, mal tanzen kleinste braune Schwebteilchen in der Sonne und ein Zimmer weiter lasten feinste Dreckpartikel auf Boden und Wänden. Der Umbau des neuen Künstlerhauses ist eine dreckige Angelegenheit.

von Von Heiko Mühlbauer

, 10.02.2008

Und zwar besonders dort, wo die Wände des alten Fachwerkhaus am Markt verputzt werden. Die Künstlerinnen Eva Witte-Mante und Birgit Breer renovieren mit vollem Elan.

Jürgen Breer wuchtet einen Block aus Lehm und Stroh durch das enge Treppenhaus ins Obergeschoss. Hier gilt es, eine Fachwerkwand wieder zu verputzen. Als Material dient die Füllung, die man aus den Fachen der Zwischenwände geschlagen hat. Der trockene Füllstoff wird mit dem Spaten zerkleinert und bevor er mit Wasser aufgegossen werden kann, füllt goldbrauner Staub den Raum und setzt sich in alle Poren.

Hundert Jahre alter Dreck - voll einsatzfähig

Doch einmal mit Wasser aufgegossen und gemischt, ist der über hundert Jahre alte Dreck wieder voll einsatzfähig. Für die Arbeit an der historischen Wand haben sich die beiden Künstlerinnen fachmännische Hilfe bei Daniel Engelmann geholt. Der gilt als Experte für Fachwerkwände und deshalb kann er auch leichthin erklären: "Das geht besser als mit Gips und macht vor allem mehr Spaß."

Zumindest letzteres ist nachvollziebar, wenn der Matsch mit der Kelle auf die Wand geworfen wird. Seit nahezu zehn Wochen renovieren die beiden Künstlerinnen bereits das Haus zwischen Marktplatz und Kötterbachstraße. Sechs Jahre war es nicht bewohnt. Da gab es manche Überraschung zu erleben, weiß Eva Witter-Mante und holt ein kleines antikes Apotheker-Fläschchen hervor. Den kleinen Glasbehälter entdeckten sie im Putz einer Wand, die weichen musste.

Auf weitere Überraschung stellen sich die Künstlerinnen ein, wenn demnächst die Heizung verlegt wird. Denn ob die Gasleitung noch funktioniert, muss erst ermittelt werden. Das Wasser für den Putz wird ohnehin in Eimern über die Straße geschleppt.

Von den elektrischen Installationen war ebenfalls nichts zu retten. Die Schlitze verputzen die beiden Künstlerinnen gerade selber wieder. Und auch hier liegt Staub in der Luft. Hellweiß, wie der Rotband-Gips, aus dem die Putzmasse gerührt wird.

Für zehn Jahre haben die beiden das Künstlerhaus gemietet. Noch im März wollen sie zumindest mit ihren Ateliers einziehen. So richtig fertig, mit Ausstellungsfläche und Außenanlagen, sei es aber vermutlich erst Anfang nächsten Jahres, rechnet Eva Witter-Mante.

Manchmal könne man an dem Projekt auch verzweifeln, erzählt Birgit Breer. Aber dann nehme sie ein Bad, wasche den Staub ab, entspanne und alles sei wieder gut.

 

 

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