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Knast ist kein Ausweg

SPD-Ortsverein diskutierte mit Bürgern und Behörden über Jugendgewalt in Holzen

24.05.2007

Aufgrund der Schwere der Vorfälle lud der SPD-Ortsverein zu einer Diskussion unter dem Motto «Holzen - ein sozialer Brennpunkt?», und erhielt eine Resonanz, mit der er so nicht gerechnet hatte. Knapp 50 interessierte Bürger waren ins Haus Maifeld gekommen, allesamt unmittelbar von den Vorfällen betroffen. Aktiv suchten sie den Dialog mit Polizeioberkommissar Dieter Mecklenburg, mit Bezirkssozialarbeiter Lars Lehmann und mit Thomas Schwengers vom Jugendamt der Stadt Schwerte. «Es ist schon ein trauriges Thema. Wir alle leben gerne in Holzen», erklärte die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Reinhild Hoffmann. «Mein Sohn ist gestern noch verprügelt worden», erklärte eine Mutter. Ein älterer Mann berichtete, wie er in den «Krisengebieten» Legoland, Zimmermanns Wäldchen und an Spielplätzen mit Messern bedroht wurde. Wie sehr Gewalt die Jugendlichen fasziniert, schilderte eine Augenzeugin der Silvesterkrawalle: «An Silvester haben sie die Handys gezückt. In Massen kamen immer mehr aus allen Ecken dazu geströmt.» Oberkommissar Mecklenburg machte mehrfach deutlich, dass er sich der Gewaltprävention verschrieben habe und dass der Polizei selbst in manchen Fällen einfach die Hände gebunden seien. «Es ist meine Hoffnung und mein Wunsch, dass in ein paar Jahren eine Jugend heranwächst, die ein besseres Verhältnis zur Polizei hat und Respekt kennt.» Ehe das jedoch der Fall ist, müsse man sich mit der bitteren Realität beschäftigen. Denn Holzen ist bei der Kripo mittlerweile als besonders «intensiver» Bereich bekannt. Eine Liste mit 35 jugendlichen Straftätern, von denen einige Intensivtäter bereits 70 Strafanzeigen auf dem Buckel haben, sind die harten Fakten. Dabei ist an Delikten wirklich die gesamte Bandbreite vertreten. Ursachen für das Verhalten der Jugendlichen gebe es viele, wurde kritisiert: Zu wenige Anlaufstellen für Jugendliche, ein zu großer Verwaltungsapparat, mangelnde Fürsorge vieler Eltern. Rund 80 Prozent der jungen Gewalttäter haben schließlich gewalttätige Eltern. Dieser Punkt brachte die Diskussion kurzzeitig zum Überkochen, als eine 37-jährige Mutter nach lautstarken Wortgefechten wutentbrannt den Raum verließ. Sogar die Eltern eines dieser Intensivtäter waren vor Ort und nahmen Stellung: «Wir haben uns immer gekümmert, haben überall Hilfe gesucht, aber jetzt ist unser Sohn einer von den Schlimmen, und uns sind die Hände gebunden.» Zu oft wurden seine Strafverfahren einfach eingestellt, zu lange dauerte es zwischen Anzeige und der ersten Vorladung. Nach einigen Straftaten trat der Jugendliche seine Sozialstunden nicht an und muss nun für vier Wochen in Arrest. «Er ist nach Dortmund abgehauen», berichteten die Eltern verzweifelt. «Für Jugendliche ist der Treffpunkt nicht entscheidend, denn die verschiedenen Cliquen lehnen sich untereinander feindselig ab», entkräftigte Jugendamt-Mitarbeiter Schwengers den Ruf nach mehr Anlaufstellen: «Und in den Knast stecken kannst du sie auch nicht. Das ist wie Schule für sie, da kommen sie schlauer und noch cooler wieder raus». Einen weiteren Versuch startet das Jugendamt jetzt mit dem Projekt «Quarterback», in dem eine Gruppe ausgewählter Jugendlicher betreut wird. Der zuständige Sozialarbeiter entwickelt hier mit ihnen zusammen Strategien und setzt sie um. Die Stelle soll in den nächsten Wochen vergeben werden. Allerdings wird dieser «Quarterback» für ganz Schwerte zuständig sein. Es scheint zweifelhaft, dass sich in Holzen schnell etwas tun wird. Eines steht fest: Alle müssen mit anpacken und nicht die Augen verschließen. BB

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