Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Rettung über die Dächer

Erinnerung an die Bombardierung der Möhnetalsperre am 17. Mai 1943

17.05.2007

Pfarrer Fritz-Günter Held von der Pfarrgemeinde St. Viktor erinnert an die dramatische Nacht im Jahr 1943: Für ihren Weg hatte die Flutwelle vier Stunden gebraucht. Schon um 2.15 Uhr wurden die Bewohnerinnen und Bewohner von Gut Ruhrfeld durch die Amtsverwaltung Westhofen vor einem schweren Hochwasser wegen der Bombardierung der Möhne-staumauer gewarnt. Sie brachten ihr Vieh zum Hof Kaufhold an der Grünstraße. Gegen 3 Uhr waren Schwerter Bewohner von der Eisenbahn gewarnt worden: Der Warndienst sprach allerdings nur ganz allgemein von Hochwassergefahren, die Zerstörung der Möhnestaumauer wurde nicht erwähnt. Um 5.15 Uhr erreichten die Wogen die Straßen der Ruhrstadt. Anwohner hörten ein lautes Brausen und Rauschen ? und Schreie. Menschenleichen, Tierkadaver, lebendes Vieh, Reste von Häusern und Einrichtungen trieben durch die Stadt. Wegen der allgemeinen, die wirkliche Gefahr verschweigenden Vorwarnung wurden Menschen eingeschlossen, schwammen auf ihren Möbeln ? oder starben. Gastwirt Raulff wurde aber von der Polizei auf eine Beschädigung der Möhnemauer hingewiesen, die eigentlich als unzerstörbar galt. Martha Stahl wurde von einem Polizisten aufgefordert, die Familien der Nachbarn mit Kindern zu warnen. Ihre lauten Weck- Warn- und Hilferufe auf der Straße wurden jedoch sofort mit einer barschen Zurechtweisung beantwortet. Kurze Zeit später kam schon ihr Bruder Wilhelm aus den Gärten mit dem Ruf: ?Wasser, Wasser! Rette sich wer kann!? Für Martha Stahl, ihre Mutter und ihr Kind war die nahe Kirchentreppe die Rettung. Auch die Nachbarn Cassel konnten sich mühsam über fünf Häuser von Dach zu Dach zum Kirchhof hin retten. In der Brückstraße 24 floss das Wasser ins Schlafzimmer im Obergeschoss. Der vom Wasser bedrohte Sohn der Eheleute Brüggemann wurde mit einem Kahn gerettet, indem die Helfer die Fenster einschlugen. Viele dieser Geschichten aus der Nacht des 17. Mai 1943 hat Pfarrer Held aufgeschrieben. Er fasst zusammen: Bis zu 3,53 Meter stand das Wasser in den Straßen Schwertes, dabei kamen vier Menschen ums Leben: Auguste Grewe sowie Heinz Trappmann und Hugo Juckniess mit einem Helfer aus Holzen, als sie versuchten, Vieh in den Wandhofener Ruhrwiesen zu bergen. Heute wird um 11 Uhr im Gottesdienst in St. Viktor der Opfer der Möhnekatastrophe gedacht.

Lesen Sie jetzt