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Von Vampiren und Söhnen: Neville Tranter kehrt zurück

SCHWERTE Das Bühnenbild ist übersichtlich: eine Hand voll Scheinwerfer auf Stativen, drei Tarnnetze und eine blaue Plastiktonne. Doch mehr benötigt Neville Tranter auch nicht, um sein Publikum in einen norwegischen Wald zu entführen. Mit Vampyr kehrte der zweimalige Kleinkunst-Preisträger zurück nach Schwerte, um auch dieses Mal wieder zu beweisen, dass Puppen die besseren Schauspieler sind.

von Von Heiko Mühlbauer

, 17.02.2008

Die Geschichte kommt oberflächlich als Gruselmärchen im Stil eines Hans Christian Andersen daher. Ein Vater strandet mit seiner kranken Tochter auf einem verlassenen Campingplatz. Der ist aber auch das Reich von Count Olaf, einem in die Jahre gekommenen Vampir und seines Sohns. Ein skrupelloser Campingplatzbesitzer und sein Gehilfe komplettieren das Ensemble, das Tranter selbst als gefallener Engel Gabriel zusammenhält. Die Puppen tragen durchweg nordisch kühle Namen wie Inger, Torvald, Kierkegaard oder Olav. Nur der Sohn des Vampirs heißt Romero. Das deutet schon an, er ist der warmherzig Liebende in der kühlen Umgebung. Keine eindimensionale Geschichte Natürlich kommt der Australier mit Wohnsitz in Amsterdam nicht damit aus, eine eindimensionale Geschichte zu erzählen. Und entwickelt neben nein eigentlich weit vor dem Grusel ein Beziehungsgeflecht. Da ist Romero, der nicht erwachsen wird, weil er eigentlich mit 16 Jahren das Blut einer Jungfrau hätte trinken müssen. Da ist Count Olaf, der seinen Sohn liebt, aber dennoch alle Jungfrauen für sich beansprucht. Da ist der Campingplatzbesitzer, der sich als verlorener Sohn seines eigenen Gehilfen entpuppt.Tranter bedient die große Theaterstoffe Generationenkonflikt, Liebe, Tod, Besessenheit – Tranter bedient wieder die großen Theaterstoffe und schafft es geschickt, den Puppen Leben einzuhauchen. Doch trotz aller Vielschichtigkeit, die innerhalb der 70 Minuten aufgeblättert wird, an die Intensität seines Führerbunkerdramas „Schickelgruber“ reicht die Vampirgeschichte nicht heran. Und da ist auch ist auch die Tragik des genialen Puppenspielers: Tranter wird an sich selbst gemessen. Und die selbst aufgelegte Latte liegt sehr hoch. Halle war zu kalt Ach ja, und ein wenig wärmer hätte es in der großen Halle der Rohmeisterei sein können, auch wenn Tranter das kalte Norwegen zum Leben erweckte. 

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