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Theater AG führt Wedekinds "Frühlingserwachen" auf

SELM "Frühlingserwachen" lautete der Titel der Aufführung. Harmlos und einladend, als reckten sich Pflanzen und Tiere nach ihrem Winterschlaf zur Sonne. Doch in Wahrheit ist es ein böses Erwachen in der Besserungsanstalt, das die Theater AG des Selmer Gymnasiums am vergangenen Wochenende auf die Bühne brachte. Vor mehr als 100 Jahren hat Frank Wedekind das Stück geschrieben. Doch von seiner Aktualität hat es nichts verloren.

von Patrick Schröer

, 21.02.2008

Das setzten die jungen Schauspieler unter der Leitung ihrer Deutschlehrerin und Regisseurin Andrea Heming eindrucksvoll in Szene. Eltern, Großeltern und Geschwister der Gymnasiasten bereuten den Besuch der Aufführung zu keiner Minute.

Eltern und Pädagogen ohne Verständnis

Glaubwürdig spielten die Schüler die Geschichte einer pubertierenden Jugend, die auf wenig Verständnis bei Eltern und Pädagogen trifft. So überzeugte Daniel Brudniewicz als Melchior Gabor, der einen Fehler macht und dafür in der Korrektionsanstalt landet. Ebenso authentisch wirkte Linda Content als Wendla Bergmann, die ungewollt schwanger wird und an einer misslungenen Abtreibung stirbt.

Auch Sarah Weßling überzeugte als Mona Stiefel. Aus Angst vor der Schule und der Reaktion ihrer Eltern begeht sie gegen Ende des Stückes Selbstmord. Insgesamt 19 Schüler und Schülerinnen beteiligten sich an der Aufführung. Hinter den Kulissen wirkten außerdem noch viele weitere helfende Hände mit und trugen zu zwei rundherum gelungenen Theaterabenden bei.

Aufklärungsfeindliche Gesellschaft aufs Korn genommen

Frank Wedekind nahm mit diesem dramatischen Stoff die aufklärungsfeindliche Gesellschaft seiner Zeit aufs Korn, die verständnislose und überforderte Eltern produzierte. "Schnee von gestern", mögen mache denken. Doch die jüngste Diskussion um so genannte Erziehungs-camps lässt Wedekinds Welt gar nicht so überholt erscheinen.

Andrea Hemings Inszenierung verlieh dem Stück zusätzliche Modernität. "We don't need no education", schallte ein berühmtes Pink Floyd-Stück aus den Lautsprechern: "Wir brauchen keine Erziehung." Jedenfalls nicht die falsche, kann der Zuschauer nachvollziehen. Denn die Jugendlichen in der Korrektionsanstalt funktionieren nur auf Drill, wirken wie Marionetten. Werden sie frei gelassen, sind sie aggressiv und wild. Könnte das heute noch genau so sein wie im 19. Jahrhundert?

Achte Bühnenproduktion

Mit "Frühlingserwachen" präsentierte die Theater AG des SGS bereits ihre achte Bühnenproduktion. Das Stück wird häufig in der Jahrgangsstufe 10 gelesen.

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