Shoppingtour „wie im Kaufrausch“: Nachbarin plündert Konto von 90-Jährigem

Gericht

Eine Mutter (29) aus Bochum soll ihren 90-jährigen Nachbarn finanziell ausgenommen haben. Sie soll mit dem Ersparten des Seniors sich viele kleine Wüsnche erfüllt haben.

Bochum

, 13.10.2020, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unter anderem für eine große Shoppingtour soll eine 29-Jährige Bochumerin das Konto ihres 90-jährigen Nachbarn geplündert haben.

Unter anderem für eine große Shoppingtour soll eine 29-Jährige Bochumerin das Konto ihres 90-jährigen Nachbarn geplündert haben. © picture alliance/dpa

Shoppingtouren, Restaurantbesuche und immer wieder großzügige Einkäufe für die Kinder: Vor dem Bochumer Landgericht hat am Dienstag ein Untreue-Prozess gegen eine zweifache Mutter (29) begonnen, die durch skrupellose Selbstbedienungen mit einer EC-Karte das Konto ihres 90-jährigen Hausnachbarn leergeplündert haben soll. Zum Prozessauftakt vor der 6. Strafkammer wies die Angeklagte alle Vorwürfe von sich.

Wenn sich die Anklageschrift am Ende als richtig erweisen sollte, dann gibt es für die Vorgänge kaum eine passendere Beschreibung als - abgebrüht, herzlos und unendlich gemein. Zwischen Mai Februar 2016 und April 2017 soll sich die Angeklagte vom Konto des inzwischen verstorbenen Seniors nahezu wie im Rausch bedient haben. Binnen 281 Tagen listet die Anklage 502 unberechtigte Geldabhebungen und -abbuchungen von verschiedenen Unternehmen vom Konto des 90-Jährigen auf.

EC-Karte soll freiwillig ausgehändigt worden sein

Vom Steakhaus bis zum Möbelcenter, von der Tankfüllung über den Zoobesuch in Arnheim bis hin zum Babymarkt. Den Gesamtschaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 21.757,77 Euro. Laut Anklage hatte der 90-Jährige seiner damaligen Hausnachbarin für Bargeldabhebungen, zu denen er zum Schluss körperlich einfach nicht mehr in der Lage gewesen ist, eine eigene EC-Karte überlassen.

„Es war alles so abgesprochen“, behauptete die Angeklagte. Und weiter: „Der Mann war so glücklich, dass ich ihm geholfen habe.“ Das abgehobene Bargeld will sie dem Senior immer übergeben haben, im Restaurant sei der 90-Jährige nicht selten sogar dabei gewesen. Geld habe den Senior angeblich überhaupt nicht mehr interessiert. „Weil keiner mehr für ihn da war und seine letzten verbliebenen Verwandten sich nie gemeldet haben, hat er immer gesagt: Mach‘ das von meinem Konto“, sagte die 29-Jährige.

Familienurlaub und Shopping-Tour

Selbst eine Shoppingtour „wie im Kaufrausch“ (O-Ton Richterin Nina Penders) im Familienurlaub in den Niederlanden habe der Senior ihr angeblich ausdrücklich erlaubt gehabt. Die Angeklagte dazu: „Er hat am Telefon gesagt: Geh‘ ruhig an mein Konto. Ich brauche das Geld sowieso nicht mehr.“

Im April 2017 hatten zwei Neffen des Bochumers die EC-Karte sperren lassen. Für den Prozess am Bochumer Landgericht sind vorerst noch vier weitere Verhandlungstage bis zum 26. Oktober anberaumt.

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