Skiurlaub im Corona-Jahr – Diese Vorkehrungen treffen die Betreiber

Urlaub in Corona-Zeiten

Damit auch im Corona-Jahr 2020 der Ski-Urlaub klappt, haben die Pistenbetreiber der einzelnen Länder unterschiedliche Sicherheitskonzepte erstellt – die sich teilweise aber sehr unterscheiden.

09.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Damit der Skiurlaub in dieser Saison halbwegs reibungslos klappt, haben die Pistenbetreiber diverse Sicherheitskonzepte erstellt.

Damit der Skiurlaub in dieser Saison halbwegs reibungslos klappt, haben die Pistenbetreiber diverse Sicherheitskonzepte erstellt. © picture alliance/dpa

Trotz wieder steigender Coronavirus-Zahlen dürften viele Menschen auf den Winterurlaub hoffen. Die Skigebiete und Ferienregionen wollen ihr Möglichstes dafür tun, dass Touristen trotz der Pandemie nicht ausbleiben. Maskenpflicht, Abstand und Desinfektion bestimmen fast überall die Vorsichtsmaßnahmen. Mancherorts wird auch auf Technologie gesetzt.

Kein Aprés-Ski in Österreich

„Ski-Vergnügen ja, aber ohne Après-Ski“, lautet die Parole, die Österreichs Regierung ausgegeben hat. Essen und Getränke gibt es nur im Sitzen, in Gondeln herrscht Maskenpflicht. Darüber hinaus setzen Behörden, Tourismusverbände und Betreiber je nach Bundesland und Skigebiet auf unterschiedliche Maßnahmen.

„Wintersportgebiete wie Ischgl sind im Zuge der Berichterstattung ein Synonym für die Pandemie geworden. Das entspricht natürlich nicht der Realität, aber trotzdem haben viele Menschen Vorbehalte, in diese Gebiete zu reisen. Das nehmen wir sehr ernst“, sagt der Direktor des Tourismusverbands St. Anton am Arlberg, Martin Ebster. Die Bandbreite an Maßnahmen ist groß:

  • Ein Multifunktionstuch als Mund-Nasen-Schutz gibt es in manchen Skiorten zu kaufen, anderswo direkt zum Saisonpass.
  • Beim Anstehen für Skilifts muss Abstand eingehalten werden.
  • Hotel- und auch Skigebietsmitarbeiter sollen häufiger auf Corona getestet werden, teils soll täglich vor Dienstantritt Fieber gemessen werden.
  • Registrierung von Gästen und Kontaktnachverfolgung sollen auch per Handy erfolgen.
  • Manche Orte wollen die Lage mit einem Abwassermonitoring im Blick behalten.
  • Mehrere Skigebiete garantieren beim Kauf der Saisonkarten Erstattungen, falls es erneut zum Lockdown kommen sollt



Deutschland ist noch ohne klares Konzept

Deutschland spielt im alpinen Skitourismus keine große Rolle. Denn auch die Skigebiete in den Bayerischen Alpen sind zu klein, um mit der Konkurrenz in Österreich und der Schweiz mithalten zu können – ganz zu schweigen von Mittelgebirgspisten in Schwarzwald, Fichtelgebirge oder Sauerland. Tagesausflügler sind daher wichtig.

Mit Ministerien abgestimmte Hygienekonzepte gibt es noch nicht, aber die Vorgaben für den Winter werden sich am Sommerbetrieb orientieren. Das heißt:

  • Maskenpflicht für Gondeln und Lifte und Abstandsgebote.
  • Mehrere Skigebiete wollen zusätzliche Saisonkräfte zur Lenkung von Besuchern einzustellen.
  • Voraussichtlich nicht nur in Bayern wird eine App zum „Gäste-Tracing“ zum Einsatz kommen, deren Nutzung freiwillig wäre und beim Nachverfolgen von Infektionsketten helfen könnte.
  • Im Schwarzwald soll es Liftkarten nur online geben. Damit würden Schlangen vor Schaltern vermieden – „und wir wissen genau, wie viele Leute an welchem Tag zu uns kommen“, heißt es.
  • Wenn das Infektionsgeschehen es erfordere, werde die Ticketzahl beschränkt.
  • Neben Maskenpflicht und Abstandsregeln soll es Stationen mit Desinfektionsspendern geben. Personal soll sicherstellen, dass Maßnahmen eingehalten werden.

Die Schweiz setzt auf lockere Beschränkungen

Die Schweizer Wintersportregionen setzen auf Optimismus. „Wir planen wie immer mit viel Vorfreude einen Winter mit einigen Neuigkeiten“, sagt Markus Meili, Geschäftsführer der Engadin St. Moritz Mountains AG in Graubünden.

  • In Zermatt am Fuß des Matterhorns werden alle Bahnen geöffnet und Pisten beschneit.
  • Zermatt Tourismus hat eigens einen Schlauchschal entwickelt, der über die Nase gezogen so gut wie jede Schutzmaske vor Viren schützen soll.
  • „Bei der Ausübung des Schneesports gibt es bis auf den Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Transportmittel und den Distanz-Regeln im Anstehbereich keine Veränderungen zu sonstigen Wintern“, sagt Meili. Simona Altwegg von Zermatt Tourismus sagt: „Auf den Pisten ändert sich nichts, da man an der frischen Luft ist und der Mindestabstand beim Skifahren sowieso gegeben ist.“
  • Bei den Jungfraubahnen im Berner Oberland mit den Skigebieten Grindelwald, Wengen, Mürren sieht man auch kein Problem. Maskenpflicht gelte in Zügen und Gondeln, zusätzlich könnten fast überall die Fenster geöffnet werden. „Für die Skilifte und Sesselbahnen wird keine Maskenpflicht herrschen“, sagt Sprecherin Kathrin Naegeli.
  • Ob beim Anstehen an Skiliften Mund- und Nasenschutz nötig ist, dürften die Kantone noch festlegen.
  • Feiern nach dem Pistentag spiele in der Schweiz kaum eine Rolle, heißt es. Für die Mehrheit der Gäste stünden das sportliche Skifahren und die Gastronomie im Vordergrund, sagt Altwegg.



Regelmäßige Desinfektion der Gondeln in Italien

In den italienischen Skigebieten laufen seit Wochen die Vorbereitungen für die neue Saison. „Wir werden alle nötigen Vorkehrungen treffen, damit der Ski- und Wintertourismus in Südtirol auch in diesem Winter möglich ist“, sagt der für Tourismus zuständige Landesrat in Südtirol, Arnold Schuler. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehören:

  • das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Seilbahnen und Abstandsregeln.
  • Alle Gondeln werden regelmäßig desinfiziert, Schutzabtrennungen installiert und Taktfrequenzen von Skibussen erhöht.
  • Besucher können Skipässe in vielen Gebieten vorab online kaufen und in einer Ticketbox vor Ort abholen.
  • Auch Skischulen, Skiverleihe sowie Restaurants und Hotels entwickeln nach Angaben der Behörden eigene Konzepte.

Auf den Aprés-Ski werden Urlauber in diesem Jahr zum größten Teil verzichten müssen. Die diversen Hochburgen haben ihre Gastro- und Barszenen streng reglementiert.

Auf den Aprés-Ski werden Urlauber in diesem Jahr zum größten Teil verzichten müssen. Die diversen Hochburgen haben ihre Gastro- und Barszenen streng reglementiert. © picture alliance / dpa



Frankreich wirbt mit ausreichend Desinfektionsmittel für alle

Frankreichs Wintersportgebiete haben teils ihre Stornierungsbedingungen geändert. So können Reisende auch kurzfristig absagen, wenn es die Corona-Lage nötig macht. Jeder Reisende sollte vorher die Bedingungen prüfen. Das Wintersportgebiet Courchevel in den französischen Alpen wirbt mit zwei Apotheken und drei medizinischen Zentren, die den Winter über geöffnet sind. Im nicht weit entfernten La Plagne wird betont, dass Hygienevorschriften und ein schöner Skiurlaub sich nicht ausschließen würden.

  • Einige Unterkünfte böten einen Online-Check-In an, damit die Wartezeit in Gemeinschaftsräumen verkürzt werde.
  • Skipässe können bis 48 Stunden vor dem ersten Gültigkeitstag storniert werden.
  • Es gebe weiterhin Kinderbetreuung und Skikurse.
  • Auch Helme könnten weiter ausgeliehen werden, sie würden regelmäßig desinfiziert.
  • Eine Maske auf Sesselliften, in Warteschlangen oder in Gondeln ist in den meisten Skigebieten Pflicht – so auch im Wintersportort Val Thorens in der Region Auvergne-Rhône-Alpes.
  • Generell werben die Skigebiete damit, dass überall ausreichend Desinfektionsmittel bereitstünden und Lifte regelmäßig gesäubert würden.



Tschechien schränkt den Aprés-Ski ein

Traditionell sind die Skigebiete im Riesengebirge, Erzgebirge, im Böhmerwald und in den Beskiden bei Touristen aus Deutschland und Polen beliebt. Allerdings liegt Tschechien bei der Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen gemessen an der Bevölkerungszahl inzwischen EU-weit an der Spitze (Stand 09. Oktober). Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für Tschechien ausgesprochen. Die tschechische Vereinigung der Skigebiete bereitet für die Wintersaison einen Hygiene-Leitfaden vor.

  • Einschränkungen wird es beim Après-Ski geben. Aktuell gilt in der Gastronomie, dass jeder Gast einen Sitzplatz haben muss.
  • Zudem dürfen nicht mehr als sechs Leute an einem Tisch sitzen.
  • Um 22.00 Uhr müssen alle Gaststätten, Bars und Cafés schließen.

    dpa