"So finster die Nacht" : Düsteres Märchen für Erwachsene

Mit Tomas Alfredsons "So finster die Nacht" kehrt die Vampirgeschichte auf die Kinoleinwände zurück. Die Adaption von John Ajvide Lindqvists gleichnamigen Roman nähert sich dem Mythos Vampir von einer ungewöhnlichen Seite.

von Von Sascha Westphal

, 02.01.2009 / Lesedauer: 2 min
"So finster die Nacht" : Düsteres Märchen für Erwachsene

Eli (Lina Leandersson) und Oskar (Kåre Hedebrant) in einer Wohnung der tristen Hochhaussiedlung.

Denn diesmal ist der Untote ein schüchternes Mädchen namens Eli (Lina Leandersson). Als unsterbliches Wesen, das auf ewig in einem Kinderkörper leben muss, umgibt sie eine Aura von Ausweglosigkeit und Tragik. Sie ist immer auf Hilfe angewiesen. Doch kein Mensch kann sie dauerhaft unterstützen.

Die triste Hochhaussiedlung, in die Eli zusammen mit einem alten Mann zieht, ist eigentlich ein ideales Versteck für sie. Hier sind alle so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass kaum jemand auf Fremde achtet. Nur dem etwa gleich alten Oskar (Kåre Hedebrant) fällt die bleiche Eli auf, die nun nebenan wohnt. Er, der von seinen Mitschülern jeden Tag aufs Neue gequält wird, fühlt sich sofort zu dem seltsamen Mädchen hingezogen, das schon bei ihrer ersten Begegnung sagt, dass sie niemals Freunde sein können. Es gibt wundervolle Momente in Alfredsons düsterem Märchen für Erwachsene. Wie sich Lina Leandersson und Kåre Hedebrant, die beide wunderbar sensibel und genau agieren, vorsichtig näher kommen, wie sie eine eigentlich unmögliche Freundschaft wagen, das kann den Betrachter direkt ins Herz treffen.

Nur begnügt sich Alfredson nicht mit den dunklen Märchenelemente der Geschichte. Er lässt den Ton immer wieder ins Zynisch-Absurde kippen. So müssen die Gewaltfantasien, die Oskar gegen seine Mitschüler hegt, Realität werden. In dieser wie auch in allen anderen typischen Genreszenen flüchtet sich Alfredson in einen unangenehmen schwarzen Humor, der schließlich sogar die zutiefst berührenden Aspekte des Films überschattet.

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