Covid-19: So kommt die Johns-Hopkins-Universität zu ihren Zahlen

Coronavirus

Die Angaben der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität zu Infektionen und Todesfällen in Deutschland sind genauer als die des Robert Koch-Instituts. Ein Rechercheteam hat herausgefunden, warum.

Baltimore

05.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Fallzahlen für ihre Weltkarte bezieht die Johns-Hopkins-Universität unter anderem von deutschen Medien.

Die Fallzahlen für ihre Weltkarte bezieht die Johns-Hopkins-Universität unter anderem von deutschen Medien. © picture alliance/dpa

Ob Fernsehnachrichten, Zeitungsartikel oder Wissenschaftspodcasts: Kaum ein Bericht kommt derzeit ohne die Coronavirus-Fallzahlen der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität aus. Weil ihre Daten häufig aktueller und die vermeldeten Infektionszahlen höher sind, ziehen sie auch viele deutsche Medien den Angaben des Robert Koch-Instituts vor.

Laut eigener Aussage wird die Weltkarte der amerikanischen Privatuni ständig aktualisiert, damit die Fallzahlen für 180 Länder dort nahezu in Echtzeit erscheinen. Das verschafft ihr einen Vorteil gegenüber der deutschen Meldebehörde: Das Robert Koch-Institut aktualisiert die Fallzahlen nur einmal am Tag. Aber wie kann eine amerikanische Universität schneller an neue Infektionszahlen kommen, als die oberste deutsche Behörde für Infektionskrankheiten?

Daten stammen von deutschen Onlinezeitungen

In der Beschreibung zur Datenerhebung verweist die Universität lediglich auf offizielle Quellen, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO, das European Centre for Disease Control und nationalen Gesundheitsbehörden. Zusätzlich holt die Johns-Hopkins-Universität Informationen via Twitter ein. Genauere Angaben werden nicht gemacht.

Eine gemeinsame Recherche von Datenjournalisten des NDR und dem Medienmagazin „Zapp“ zeigt nun jedoch, aus welcher Quelle die Covid-19-Zahlen für Deutschland tatsächlich stammen. Dem Rechercheteam zu Folge benutzt das Institut in Baltimore dafür die Meldungen von drei deutschen Onlinemedien: „Zeit Online“, der „Berliner Morgenpost“ und dem „Tagesspiegel“.

Für ihre eigenen Karten und Meldungen warten diese Zeitungen in der Regel nicht auf die bestätigten Zahlen des Robert Koch-Instituts, sondern generieren sie über Zahlen der Gesundheitsämter und Ministerien. Damit sind sie in der Lage, Neuinfektionen und Todesfälle schneller zu veröffentlichen.

Universität bezieht deutsche Daten über Dienstleister

Die Daten der deutschen Medien ruft die amerikanische Universität jedoch nicht selbst ab. Stattdessen handele es sich bei ihrer Hauptquelle um den Datendienst Worldometer, wie die Universität auf Anfrage von „Zapp“ erklärt. Die auf Statistiken in Echtzeit spezialisierte Website bezog ihre Daten für Deutschland bis zum 27. März ausschließlich von der „Berliner Morgenpost“.

Seit dem 28. März scheinen jedoch auch Infizierten- und Todeszahlen des „Tagesspiegel“ und von „Zeit Online“ für das Dashboard der Johns-Hopkins-Universität verwendet worden zu sein. Die Nutzung der Quellen konnte das Rechercheteam über das „Internet Archive“ rekonstruieren.

Bei der Zusammenführung der Daten kam es in Baltimore aber scheinbar zu Unstimmigkeiten. Während die als Quellen benutzten deutschen Medien in ihren Statistiken deutlich machen, dass es sich bei der Anzahl der Genesenen Covid-19-Patienten um eine Mindestangabe handelt, ist davon auf der Karte der Johns-Hopkins-Universität nichts zu sehen. Es ist anzunehmen, dass die tatsächliche Anzahl der Genesenen deutlich höher ist, da es für sie keine Meldepflicht gibt. Wird dieses Detail jedoch weggelassen, entsprechen die Zahlen nicht mehr der Wahrheit.

RND

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