„Songs For A New World“: Musical-Premiere bringt Sänger zum Träumen

hzOpernhaus Dortmund

Eigentlich wollte das Theater Dortmund in dieser Saison „Cabaret“ als Musical herausbringen. Corona hat dies vereitelt, aber die Chance für eine tolle Entdeckung geboten.

Dortmund

, 28.09.2020, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die kleine, aber sehr feine Musical-Revue hat am Sonntag im Dortmunder Opernhaus Premiere gefeiert. Uraufgeführt wurde das Erstlingswerk des Amerikaners Jason Robert Brown 1995 in New York – als Produktion für kleinere Theater, aber die Vier-Personen-Collage ist auch für große Häuser ein ideales Stück, um Abstand zu halten und Vielfalt zu zeigen.

„Songs For A New World“ ist eine theatralische Revue

Klar: Nicht jeder Song ist ein Ohrwurm, es gibt Nummern mit Hit-Qualität (wie das „Wiegenlied zur Weihnacht“ einer Weihnachtsfrau mit Rockröhrenstimme), aber es gibt auch schwächere Nummern. Es ist eine theatralische Revue, in dem die Geschichten ebenso wichtig sind wie die Musik.

Es geht um Beziehungen zwischen Menschen. Und um Ängste sowie Sehnsüchte nach einer besseren Welt. Denn die Welt, die die Menschen mit Renaissancekragen bei der Entdeckung Amerikas in der ersten Szene 1492 kennenlernen, ist für manche eine Qual: Für die schwangere Mutter, die um Almosen bettelt, ebenso wie für die „Flaggenmacherin“, die 1775 auf das Ende des Krieges wartet, und auch für die Frau, die sich zwischen drei Männern nicht entscheiden kann.

Solche Luxusprobleme stellt Brown in den Texten der 16 Szenen neben existenzielle Sorgen der Menschen. Die vier großartigen Darsteller (Sybille Lambrich, Bettina Mönch, David Jakobs und Rob Pelzer) füllen die vielen Figuren mit viel Leben und charakterisieren sie auch stimmlich wunderbar. 46 Kostüme hat Falk Bauer dafür entworfen – die nur 90-minütige, pausenlose Revue ist auch ein Kostümreigen.

Kleines Stück ganz groß

Regisseur Gil Mehmert weiß als Musical-Spezialist, wie man so eine kleine Form groß macht: Er hat den vier Darstellern eine schnell verwandelbare Bühne gebaut, die sich ruckzuck in das Schiff, das nach Amerika ausläuft, verwandelt. Und die auf einem Gerüst um eine runde Bühne herum Abstandsmöglichkeiten für die Sänger bietet. Die Dortmunder Philharmoniker begleiten unter Leitung von Christoph JK Müller mit einem Sound, der spritzig und nicht ausgedünnt klingt.

Ein bisschen Glamour (mit Gold-Glitzer-Kostümen), etwas Spektakel (mit einem Tischfeuerwerk), moderne, theatralische Szenen und auch Ansätze von Tanzmusical-Choreografien hat Mehmert zu einer Einheit zusammengeschweißt, die Spaß macht. Mit Szenen, die berühren und nachdenklich machen, wie die des jungen Mannes, der von einer Karriere als Baseball-Spieler träumt, aber doch als Burger-Brutzler endet.

Zurück zur Corona-Realität

Spätestens am Schluss, wenn der Mann auf der Intensivstation „Ich fliege heim“ singt und stirbt, denkt man wieder an Corona und diese besonderen Zeiten.

Dass dies ein Stück für eine kleine Theatertruppe ist, die wenig Platz und wenig Leute hat, kann die Revue nicht leugnen. Aber das macht sie nicht weniger anspruchsvoll und sehenswert. Mehr geht an Musical zurzeit wohl nicht.

Die nächsten Vorstellungen sind am 3. / 4. / 10. / 11. / 18. 10., 8 . 9., 12. / 27. 12.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22 oder auf der Webseite des Opernhaus Dortmund.
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