Spahn gesteht Fehler ein: „Natürlich ruckelt es bei der größten Impfkampagne in der Geschichte“

Regierungserklärung

Wegen des schleppend angelaufenen Impfstarts hagelt Kritik auf den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein. Nun hat er zu den Corona-Impfungen im Bundestag eine Regierungserklärung abgegeben.

Berlin

von Dana Schülbe

, 13.01.2021, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigt in einer Regierungserklärung am 13.1. die Impfstrategie der Bundesregierung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigt in einer Regierungserklärung am 13.1. die Impfstrategie der Bundesregierung. © AFP

„Wir befinden uns seit Monaten in einer permanenten Ausnahmesituation“ – mit diesen Worten startet Jens Spahn seine Regierungserklärung zum Start der Corona-Impfungen in Deutschland. „Nie war jede Entscheidung für so viele Menschen so folgenreich“, sagt der Gesundheitsminister und lenkt den Blick auf den aktuell geltenden Lockdown.

Man sei in einer der schwersten Phasen der Pandemie, andererseits sei so schnell wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit ein Impfstoff entwickelt worden – was auch ein deutscher Erfolg sei. „Wir erleben also auch eine Zeit der Zuversicht“, sagt Spahn.

Es gebe aber auch berechtigte Fragen in Bezug auf die Impfungen, es gebe Kritik, sagt Spahn und spricht damit die Kritik an den schleppend angelaufenen Impfungen in Deutschland und auch an ihm selbst an. „Diese Debatten stärken uns, wenn wir sie konstruktiv führen“, betont er.

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Manche hätten gefragt, ob es richtig gewesen sei, den europäischen Weg bei den Impfungen zu gehen. „Lassen Sie mich eins sagen: Ja, es ist richtig, den europäischen Weg zu gehen“, sagt Spahn deutlich. „Wir haben in Europa genügend Impfstoff für alle in Deutschland bestellt.“

Hätte es etwas genützt, einen Alleingang zu gehen, wie der eine oder andere überlegt? Darauf sagt Spahn, er habe Zweifel, dass man dann mehr Impfstoff gehabt hätte. Und er fragt: „Welches Signal hätte man dann nach Europa ausgesendet?“ Gemeinsam werde man die Pandemie besiegen, Europa rücke in dieser Zeit zusammen.

Er verstehe gut, dass man in solchen Krisen kurzfristig gern auf das nationale Interesse schaue, aber das sei nicht das langfristige Interesse der Bundesrepublik.

Spahn zum Impfstart: „Natürlich ruckelt es“

Spahn gibt zu, dass manches hätte schneller gehen können und dass es an manchen Stellen ruckele. „Hätte manches schneller gehen können? Hätten manche Abläufe zwischen EU, Bund und Ländern besser funktionieren können? Mit Sicherheit ja“, so Spahn. „Natürlich ruckelt es bei der größten Impfkampagne in der Geschichte. Natürlich stellt sich in der Rückschau heraus, dass nicht jede Entscheidung richtig gewesen ist.“

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„Wir lernen aus den Erfahrungen, und wir machen besser, was wir besser machen können.“ Noch einmal erläutert er, warum eine Priorisierung bei den Impfungen vorgenommen wurde. Bis zum Sommer aber könne man allen Deutschen ein Impfstoffangebot machen. „Wir tun alles, um die Verfügbarkeit von Impfstoffen zu erhöhen.“

„Wenn wir das Virus besiegen wollen, dann wird es bald auch um die Impfbereitschaft gehen“, sagt Spahn schließlich. Man werde noch viel Vertrauen brauchen diesbezüglich – und eine ordentliche Zulassung von Impfstoffen trage dazu bei.

In Bezug auf die Corona-Maßnahmen sagte der Minister: „Wir müssen da jetzt gemeinsam durch.“ Er könne die Ungeduld verstehen, „aber wir werden für unsere Geduld belohnt“, sagt Spahn. 2021 werde auch ein Jahr der guten Nachrichten sein können.

Am schleppenden Start der Impfungen hatte es Kritik gegeben, so aus der SPD an die Adresse von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die SPD-geführten Bundesländer hatten einen Fragenkatalog zu den Problemen bei der Impfung an Spahn geschickt.

RND

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