Spahn und Laschet sind gegen die Maskenpflicht, neue Projekte im Test

Coronavirus

Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sind gegen eine Maskenpflicht in Deutschland. Neue Projekte sollen getestet werden - auch in Verbindung mit Handydaten.

Düsseldorf

01.04.2020, 09:28 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (r.) sprechen sich gegen eine Maskenpflicht in Deutschland aus.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (r.) sprechen sich gegen eine Maskenpflicht in Deutschland aus. © picture alliance/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich gegen eine Tragepflicht für Schutzmasken in Deutschland ausgesprochen. „In der jetzigen Lage sehe ich keine Notwendigkeit zu einer Verpflichtung“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Düsseldorf. Spahn hatte zuvor zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) das Universitätsklinikum in Düsseldorf besucht und auch der Sitzung des Landeskabinetts von NRW beigewohnt.

Der Minister sagte, es müsse unterschieden werden zwischen medizinischen Masken zum Schutz des medizinischen Personals vor einer Ansteckung und anderen in der Öffentlichkeit getragenen - auch selbstgenähten - Masken. Bei diesen gehe es darum, andere nicht anzustecken. Sie könnten „tatsächlich auch eine Hilfe sein dabei, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“. Er nehme wahr, dass es eine zunehmende Bereitschaft gebe, aus Solidarität mit anderen, diese Masken zu tragen, sagte Spahn. Laschet nannte Spahn Äußerungen „treffend“. Man sei jetzt prioritär damit beschäftigt, Masken für den medizinischen Bereich zu beschaffen. „Und wenn es sich gesellschaftlich entwickelt, dass jeder den anderen auch schützen will, dann ist das in Ordnung. Eine Pflicht sehe ich nicht.“

Abhängigkeit vom Weltmarkt beenden

Gleichwohl wolle man bei der Produktion von Schutzmasken nicht länger vom Weltmarkt abhängig sein, sagte Laschet. In NRW etwa arbeite man daran, dass Unternehmen selbst Schutzmasken produzieren, aber da könne er noch nichts Konkretes verkünden. Das ginge erst, „wenn das Flugzeug gelandet ist“.

Spahn äußerte sich ganz ähnlich. „Es hätte keiner erwartet, dass ein Produkt, das mal Cent-Beträge gekostet hat, nur Wochen später umkämpft sein würde auf dem internationalem Markt“, sagte er. Die starke Abhängigkeit von einem anderen Land und überhaupt dem Weltmarkt darf in seinen Augen mittel- bis langfristig nicht so bleiben, ergänzte er. Er forderte stärkere Anreize für eine nationale Maskenproduktion.

Jetzt lesen

Österreich hatte am Montag eine Pflicht für das Tragen von Masken beim Einkaufen eingeführt. Die Stadt Jena plant gar, eine generelle Mundschutzpflicht in der Öffentlichkeit zu beschließen.

Spahn und Laschet würdigen Engagement von Medizin-Studenten

Nach ihrem Besuch in der Uni-Klinik in Düsseldorf würdigten Spahn und Laschet zudem das Engagement von Medizinstudenten in der Corona-Krise als „Signal der Solidarität“. Es sei in dieser außergewöhnlichen Situation wichtig, dass Studierende einen Beitrag leisteten, sagte Spahn. „Die Bereitschaft mit anzupacken ist jetzt wichtiger als zu studieren.“ Wie die Zeit auf ihr Studium angerechnet werde, könne später entscheiden werden.

Das Virus müsse weiterhin daran gehindert werden, sich auszubreiten, sagte Spahn weiter. Daher stehe es „außerfrage, dass sämtliche Kontakte von infizierten Patienten“ nachverfolgt werden müssten. Ob das auf digitalem Weg mit entsprechenden Handy-Apps oder auf anderen, analogen Wegen getan werde, müsse noch diskutiert werden, sagte der Bundesgesundheitsminister. Es sei richtig, dass diese Debatte nun breit geführt werde.

Spahn plädiert dafür, die Kontaktpersonen von Infizierten konsequent nachzuverfolgen

Gleichwohl, sagte er, sei die Suche digital „viel einfacher“ zu leisten als händisch mit vielem Hinterhertelefonieren. Solange es keine Therapie und keinen Impfstoff gebe, werde man das Coronavirus nur im Griff behalten können, wenn es gelinge, die Kontakte von Infizierten „sehr, sehr schnell“ zu identifizieren und diese Menschen aufzufordern, zuhause zu bleiben.

Es gebe viele Ideen und Möglichkeiten, sagte Spahn. Jetzt müssten konkret Projekte getestet werden. Klar sei aber, dass man jeden Kontakt effizient nachverfolgen müsse, wenn man an anderer Stelle „wieder schrittweise in den Alltag zurückkehren“ wolle.

Seit der vergangenen Woche wird in Deutschland über den Einsatz von Handydaten diskutiert, um mögliche Kontaktpersonen von Infizierten zu finden und zu warnen.

Spahn: Noch rund Hälfte der Intensivbetten frei

Außerdem sind nach Angaben von Spahn noch rund 45 Prozent der bestehenden Intensivbetten in Deutschland frei für die Behandlung von Coronavirus-Patienten. Diese freien Kapazitäten seien etwa durch die Verschiebung von planbaren Operationen geschaffen worden, sagte Spahn.

„Eines ist klar: Es wird in den nächsten Tagen eine steigende Zahl von Intensiv- und Beatmungspatienten geben“, sagte Spahn. Anders als in anderen europäischen Ländern habe sich Deutschland aber darauf vorbereiten können, weil die Corona-Infektionen „sehr frühzeitig“ und auch durch umfangreiche Tests im Land erkannt worden seien.

Insgesamt gibt es in Deutschland nach offiziellen Angaben rund 28.000 Intensivbetten. Die Krankenhäuser sollen nach einer Einigung von Bund und Ländern diese Kapazitäten verdoppeln, um besser für die Behandlung vieler schwer erkrankter Patienten mit dem Coronavirus gerüstet zu sein.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt