Sponsor wirft Fragen auf: Daniel Loitz irritiert die Sportwelt

hzOminöses Vermögen

Borussia Bocholt und ihr früherer Sponsor Daniel Loitz sind im Streit. Der Grund: Der Unternehmer Loitz will den Sportverein wegen der Herausgabe vertraulicher Informationen verklagen.

von Stefan Prinz

Bocholt

, 20.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach eigenen Angaben hatte Daniel Loitz den Verein 2018/2019 mit 42.000 Euro unterstützt. Und wegen der Weitergabe dieser Sponsor-Verträge werde er nun von Dritten erpresst. Denn in den Sponsorverträgen sei aufgeschlüsselt, in welchem Umfang er Unternehmensbeteiligungen halte. Der BVB-Vereinsvorsitzende Maximilian Schröer will mit Daniel Loitz wegen zahlreicher leerer Versprechen nichts mehr zu tun haben.

Dahinter steckt eine Geschichte, die sehr viele Fragezeichen aufwirft: Daniel Loitz hat nach eigenen Angaben ein gewaltiges Vermögen von der Familie seines Vaters geerbt. Er selbst gibt sich auf der Internetplattform Xing als Direktor der Loitz-Stiftung aus. Unter dieser Stiftung firmieren seinen Angaben zufolge insgesamt 106 Firmen. Das Stiftungsvermögen betrage zwei Milliarden Euro, erklärte Loitz.

Woher stamm das Vermögen?

Woher stammt dieses Vermögen? Daniel Loitz berichtet, dass seine Familie große Besitzungen unter anderem in Ostdeutschland und in Polen gehabt habe. Diese seien nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und in der Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl der Familie zumindest in großen Teilen wieder zurückerstattet worden.

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Dieses Vermögen wolle Loitz unter anderem dafür nutzen, um bundesweit Frauenfußball zu fördern. Schließlich sei seine in Bocholt lebende Mutter früher Profi-Fußballerin gewesen. Und auch sein Großvater habe als Trainer im Ruhrgebiet Spielergrößen wie Oliver Bierhoff trainiert. Er selbst habe Wohnsitze in London und Düsseldorf. Beweise für all seine Behauptungen sind unserer Zeitung nicht bekannt.

Alles, aber kein Unbekannter

Daniel Loitz ist aber kein Unbekannter: Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte er Interesse bekundet, Filialen von Karstadt Sports zu übernehmen. Die Lebensmittelzeitung schrieb dazu im Juli, der 26-Jährige habe dafür 40 Millionen Euro geboten. Auf Nachfrage seien aber nicht einmal eine Bonitätsauskunft und „keinerlei Nachweis über eine entsprechende Zahlungsfähigkeit“ erbracht worden, zitiert die Zeitung einen Karstadt-Manager. Und weiter heißt es: „Ein ernstzunehmendes Angebot hat es nie gegeben.“

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Verärgerte Funktionäre hat Daniel Loitz auch beim niedersächsischen Fußballverein BV Cloppenburg hinterlassen. Dessen frühere Trainerin Tanja Schulte berichtet im Gespräch, dass sich Loitz vor zwei Jahren, als der Verein in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sei, als Sponsor angeboten habe. Er wollte der Frauenabteilung für drei Jahre finanziell unter die Arme greifen. Sie habe sich auf die Zusage verlassen und sogar Geld ausgelegt, berichtet Schulte. „Daraus wurde nichts“, sagt sie verärgert. Jetzt verklagt sie ihn vor dem Essener Amtsgericht auf die Rückzahlung von 2800 Euro.

In Sachsen ist die Hoffnung noch groß

In Sachen ist dagegen die Hoffnung auf Daniel Loitz noch groß. Denn auch bei den Volleyballerinnen aus Grimma will er als Sponsor einsteigen. Mehr noch: Nach Auskunft einer Vereinssprecherin will der Bocholter dort sogar eine „Förderlotterie“ namens „Vorwärts Sachsen“ gründen. Aufgrund dieses Plans und der Sponsor-Zusage hat sich der Verein kürzlich sogar in „Vorwärts Sachsen Volley Grimma“ umbenannt. Die Verträge seien unterzeichnet, heißt es aus dem Verein. Man erwarte und hoffe deshalb, dass in Kürze eine erste Zahlung eintreffen werde.

Auch in Baden-Württemberg will sich Loitz engagieren. Derzeit befinde er sich mit dem Vorstand des Karlsruher SC in Gesprächen, weil er für sechs Millionen Euro ein Leistungszentrum für die Fußballerinnen errichten wolle. Der KSC bestätigte auf BBV-Nachfrage, dass es Gespräche mit Loitz gebe – konkrete Vereinbarungen gebe es aber noch nicht.

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