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Bollywood an der Berkel

Stadtlohn Da wippte nicht nur mancher Wagen im Rhythmus: Tausende von Narren tanzten gestern am und im Stadtlohner Rosenmontagszug die Wolken und Regentropfen einfach weg.

04.02.2008

Bollywood an der Berkel

<p>Wer lässt sich denn schon vom Regen die Stimmung eintrüben? Diese beiden auf jeden Fall nicht. </p>

Der grau verhangene Himmel hatte gegen die bunte Vielfalt keine Chance, die sich zu einem rekordverdächtig langen Lindwurm des Frohsinns formiert hatte. Mit in ferne Länder und andere Zeiten nahmen die 85 Zugnummern die Zuschauer. Auf nach Bayern ging es gleich mehrfach: Graue Filzhüte, karierte Hemden und stramme Lederhosen - da stand dem Oktoberfest nichts mehr im Wege. Und wie feiert man im wilden Westen? Während es die Indianer vor dem Wigwam richtig krachen ließen, hatten es sich die Cowboys im Saloon gemütlich gemacht. Ehrensache, dass Lucky Luke dabei ein waches Auge auf die Dalton-Brüder hatte.

Andere Gesetzeshüter ließen es entspannter angehen: Die Absolventen der Police-Academy bewiesen, dass sie im Fach "Partyfeiern" eine Eins verdient hatten. Ob Harry Potter mitten im Zug dabei wohl effektiv Zaubersprüche büffeln konnte? Wenn es in Hogwards nicht mehr reicht, kann er sich bestimmt noch unter die Hexen mischen, die im großen Spukschloss durch die Stadt rollten.

Nicht nur sie machten begeistert mit - auch ein Team des Krankenhauses Maria-Hilf schien kurzentschlossen eine Pause eingelegt zu haben, um beim Umzug dabei sein zu können: Im OP-Kittel stand es auf dem Wagen. Hilfreiche Medizin hatte es auch mitgebracht: Flüssiges in ganz speziellen Spritzen. Sprudeln ließ es auch die KLJB - in einen überdimensionalen Maßkrug.

Von Marsch bis Techno

Romantisch statt zünftig ging es in Bollywood zu: Nicht nur der blumengeschmückte Wagen atmete indische Atmosphäre - die verströmten auch einige stilechte Sari-Trägerinnen. Da war es nur ein kleiner Schritt zur Anmut der japanischen Geishas. Dass sich von einer exotischen Umgebung aber längst nicht jeder beeindrucken lässt, stellte Zeichentrick-Held Homer Simpson unter Beweis: Er dachte auch unter Palmen nur an eines: sein geliebtes Duff-Bier. Abtanzen statt abhängen war hingegen mehr als einmal angesagt. Und für jeden Tanzwütigen bot sich im Zug die passende Möglichkeit: im Glitterlook der späten Siebziger im Studio 54 oder in der wummernden Technodisco. Für Livemusik war ebenfalls gesorgt: Ob Wiesentaler oder Husaren, Fanfaren aus Vreden oder Spielmannszug Südlohn, Spielmannszug und Fanfaren der KG. Damit die schmucken Kostüme nicht im Regen leiden mussten, hatten viele Musiker und Gardemitglieder zu transparenten Regencapes gegriffen. Schirme blieben den Zuschauern vorbehalten - die damit of t aber lieber auf Kamellejagd gingen.

Davon flogen reichlich von den Wagen, und die Offiziellen der KG gingen dabei mit gutem Beispiel voran. Besonders begehrt schienen die Süßigkeiten zu sein, die die Tollitäten unters Volk streuten: Das Schülerprinzenpaar Luca und Pia hatte ebenso alle Hände voll zu tun wie seine erwachsenen "Kollegen", Prinz Manni I. und Prinzessin Mary I. Da hatten beide kaum Gelegenheit, mal zu schauen, wie liebevoll sie im Zug auf die Schippe genommen wurden. So rollten "Grabsteine" mit, die Stadtgarde mutierte zum "führerlosen Geisterschiff", und auch die Nachbarn ihrer Lieblichkeit hatten einen Spruch parat: "Geht Prinzessin Mary shoppen, kann sie niemand stoppen."

Pokermanie

Nicht aufzuhalten waren auch die Fans des Schalke 04, die deutlich Farbe bekannten. Das galt ebenso für die Zockertruppe, die sich der grassierenden Pokermanie hingegeben hatte. Und auch der Boom am Bau fand seinen närrischen Niederschlag: "Was nicht passt, wird passend gemacht" lautete die Losung der Blaumann-Träger. Das hatten sich auch die Haaksbergener gedacht, die mit ihren fantasievollen Wagen fast zu spät angerollt wären - sich durch einen Achsenbruch aber nicht vom Umzug in Stadtlohn fern halten ließen. Sie und alle anderen hätten gestern wohl sofort das Motto mit unterschrieben, dass die "Wilden Kerle" ausgaben: "Alles ist gut, so lange du wild bist."

Text und Fotos: Sylvia Lüttich-Gür und Thorsten Ohm. Fotos im Internet unter www.westline.de/go/ karneval-stadtlohn

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