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Gebannt von stählerner Glut

Stadtlohn Die Erwartungshaltung der vielen hundert Besucher, die das Kirchenschiff von St. Otger in Stadtlohn zu einem ganz besonderen, meditativen Kunstereignis füllten, wurde nicht enttäuscht.

24.02.2008

Gebannt von stählerner Glut

<p>Stellte sich nach der Aktion den Fragen: Walter Wittek (l.) mit dem Kreuz und intererssierten Besuchern.</p>

Die Nachtaktion des Vredener Künstlers Walter Wittek "Kreuz + Licht" wurde zeitlich punktgenau durchgeführt, veranstaltet vom Kunstverein ArtHAUS, der Stadt Stadtlohn und der Gemeinde St. Otger.

Die Orgelklänge von Rolf Wähning, Kulturreferent der Stadt Stadtlohn und Leiter der Musikschule, erlebten sie als zusätzliche Bereicherung in der vollkommen abgedunkelten Kirche. Er intonierte drei Präludien von Johann Sebastian Bach. Wähning sah selbst nichts von der eigentlichen Kunstaktion, da er mit dem Rücken zum Kirchenschiff an der Orgel saß. Eine Woche vorher erlebte er dafür den Probelauf in der Firma Saueressig in Vreden.

Erhitzungsprozess

Bereits am frühen Nachmittag rückte Walter Wittek für das Stadtlohner Event mit fleißigen Helfern an. Auf dem Vorplatz von St. Otger baute er den Koksofen auf. Eine rot-weiße Absperrung schützte vor allzu Neugierigen und vor dem Funkenflug, der im Lauf des Erhitzungsprozesses auftreten konnte. Zur Beruhigung stand die Feuerwehr mit ihrem Einsatzwagen gleich daneben.

Das 70 Kilogramm schwere Stahlkreuz wurde in den Korb des Ofens versenkt, mit Koks bedeckt und stundenlang von der Rotglut bis zur Weißglut bei über 1000 Grad erhitzt. Zahlreiche Passanten scharten sich um die Gruppe der Aktiven um Wittek, stellten Fragen und wurden neugierig gemacht auf den Höhepunkt. Endlich wurde die Glut entfernt, das weißglühende Kreuz mit Zangen gehoben, in einer Art Prozession durch den Mittelgang der Kirche getragen und auf den bereitstehenden Stahlblock vor dem Altar abgesetzt.

Orgelmusik

Stumm hatte sich das Publikum in der dunklen Kirche erhoben, lauschte der einsetzenden Orgelmusik und schaute gebannt auf das Kreuz, das im Laufe der nächsten 30 Minuten die Farben des Abkühlungsprozesses annahm.

Die Worte von Pastoralreferent Rudolf Kleyboldt zu Beginn der Veranstaltung hallten vor allem in den Köpfen der älteren Besucher nach. Er erinnerte an die Aussage von Zeitzeugen, die ihm den Brand der St. Otger-Kirche nach der Bombardierung im März 1945 schilderten: "Die ganze Nacht über brannte der Turm und das Kreuz auf der Spitze glühte von der Hitze des Feuers." Das glühende Kreuz von Wittek könnte ein "Gegenbild zu der unseligen Geschichte von damals" sein.

Elvira Meisel-Kemper

siehe Kultur

Gebannt von stählerner Glut

<p>Das hochglühendes Kreuz vor dem Altar: Die Kunstaktion schuf eine Atmosphäre und einen Anblick, der sich den Zuschauern wohl unvergesslich ins Gedächtnis eingebrannt haben dürfte. MLZ-Fotos (2): Meisel-Kemper</p>

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