Stargeigerin Mutter faszinierte mit satten Klängen

Philharmonie Essen

Warum nicht mal das zweite oder das dritte Violinkonzert von Bruch? Auch Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, mit der Philharmonia Zürich auf Tournee, spielte am Samstag in der Philharmonie Essen das berühmtere erste Konzert des deutschen Romantikers.

ESSEN

, 21.05.2017, 13:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stargeigerin Mutter faszinierte mit satten Klängen

Anne-Sophie Mutter

Und sie tat dies energisch-dramatisch und voller Überschwang. Beeindruckend klangvoll bewältigte sie die rasanten Läufe und Akkordbrechungen, gestaltete dabei mit feinen Verzögerungen, die das Züricher Orchester unter Fabio Luisi gekonnt mitmachte.

Im Adagio unterstrich sie den schwärmerischen Ton, indem sie, wie zum Teil schon im ersten Satz, die von Bruch geforderte Lautstärke teilweise deutlich unterbot. Dem Finale aber blieb sie selbstredend nichts an Virtuosität schuldig.

"Nostalghia" von Toru Takemitsu

Als "Vorspiel" hatte Anne-Sophie Mutter "Nostalghia" von Toru Takemitsu für Violine und Streichorchester mitgebracht. Das von den langen Kameraeinstellungen des sowjetischen Filmemachers Andrej Tarkowski inspirierte Stück bot eine zarte, filigrane, jedoch auch ziemlich statische Musik. Die Solistin changierte hier zwischen ihrem satten, vibrierenden Ton und ungewohnt fahlen Klängen.

In der leidenschaftlichen vierten Sinfonie von Brahms kam der Operndirigent Fabio Luisi zu seinem Recht, indem er hier ein effektvolles instrumentales Drama vorführte. Da wechselten im ersten Satz emphatische und elegante Tonfälle. Das Andante gestattete mitunter ein Baden im rauschhaften Klang. Auf das spritzig und lustvoll musizierte Scherzo folgte ein schwerblütig-ungarisch einsetzendes Finale, das sich schicksalsträchtig entwickelte.