Steinerner Künstler wacht über Milljöh

ESSEN Ein wenig klein und ausgemergelt sieht sie aus, die steinerne Skulptur des Heinrich Zille, die ab heute im Berliner Nicolaiviertel Passanten an den Zeichner und Fotografen erinnert. Dabei war er in späteren Jahren wohlhabend und recht korpulent.

von Von Nadja Schöler

, 09.01.2008, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Steinerner Künstler wacht über Milljöh

Bildhauer Thorsten Stegmann deckt seine Skulptur auf.

"Ich wollte Zille in seiner Zeit und seinem Umfeld darstellen, damals herrschte viel Armut in der Gesellschaft", erklärt der Essener Bildhauer Thorsten Stegmann, der die Skulptur geschaffen hat.

Zeichenstifte und Zigarren

"Ich habe ihm stechende Augen gegeben, denn sein Blick ging einem unter die Haut, Zille hat die Menschen genau beobachtet." Stegmann hat die Skulptur mit Zilles Erkennungsmerkmalen versehen. Der Künstler aus Kalkstein hat eine Zigarre im Mund, eine Papierrolle mit der Aufschrift "Milljöh" in der einen und Zeichenstifte in der anderen Hand. Zusammen bilden diese Merkmale ein Dreieck. "Mehr brauchte Zille nicht, um zu arbeiten", so Stegmann. Sein Werkzeug hält Zille in überkreuzten Händen, diese Pose soll den Glauben an seine eigene Kunst darstellen. "Zille erreichte erst im Alter Anerkennung für seine Arbeit, er hat aber immer an sich geglaubt und war äußerst stur", sagt Stegmann, der schon mit Zilles Zeichnungen aufgewachsen ist.

Wie bei anderen Plastiken des Bildhauers, die in Berlin stehen, etwa denen von Heinz Rühmann und Hildegard Knef, beschäftigte er sich eingehend mit der Person, die er darstellen will. "Man muss den Menschen verinnerlichen, sich in ihn hineinversetzen", erklärt er. Knapp drei Monate hat er in Essen an der Skulptur gearbeitet, bevor sie am Dienstag in Berlin aufgestellt wurde.