Streeck: Könnte sein, dass „alle Impfstoffe, die in der Phase III sind, nicht funktionieren“

Coronavirus

Mehrere Corona-Impfstoffe befinden sich in fortgeschrittenen Studien, die für eine Zulassung erforderlich sind. Die Mittel könnten aber selbst in der entscheidenden Phase noch scheitern.

02.10.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hält es für möglich, dass es nicht so bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt. (Archivbild)

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hält es für möglich, dass es nicht so bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt. (Archivbild) © picture alliance/dpa

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hält es für möglich, dass es nicht so bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt. Dabei läuft die Entwicklung so schnell wie noch nie. Die Bundesregierung rechnet mit einer Verteilung ab etwa Mitte 2021. Und 41 Kandidaten befinden sich laut Weltgesundheitsorganisation in klinischen Studien, ein Dutzend Impfstoffe wird gerade in der letzten Phase III vor der Zulassung geprüft.

„Es kann sein, dass der nächste Impfstoff wunderbar funktioniert“, sagte Streeck in einem Interview mit „t-online“. „Aber es kann genauso sein, dass alle Impfstoffe, die in der Phase III sind, nicht funktionieren.“ Das lasse sich einfach nicht seriös vorhersagen. Schon in der Vergangenheit hätten sich weit entwickelte Impfstoffe als nicht sicher herausgestellt. Bei HIV etwa hätten sich bei der Impfstoffphase III mehr Menschen infiziert, die den Impfstoff verabreicht bekamen als diejenigen ohne Injektion.

Corona-Impfung kann Krankheit mildern, aber Virus nicht stoppen

„Ich betrachte die Daten der Impfstoffstudien sehr vorsichtig“, sagte Streeck gegenüber „t-online“. Bei AstraZeneca beispielsweise sei davon auszugehen, dass sich jemand auch nach einer Impfung infizieren könne, dann aber keinen schweren Covid-19-Verlauf habe. Für eine Pandemie sei das suboptimal, weil das Virus trotz Abschwächung der Krankheit von Mensch zu Mensch weitergegeben werden könne, so Streeck.

Ähnlich hatte sich auch Prof. Eva Hummers von der Ständigen Impfkommission (Stiko) in einem Interview mit dem RND geäußert. „Es ist davon auszugehen, dass ein zugelassener Impfstoff zu Beginn nicht gleich in für alle Menschen ausreichender Menge zur Verfügung steht“, gab die Impfexpertin zu Bedenken. Es wäre auch denkbar und hänge von den Eigenschaften des jeweiligen Impfstoffes ab, ob Menschen trotz Impfung noch andere Menschen mit Sars-CoV-2 anstecken könnten. „Eben solche Fragen müssen Gegenstand von Studien sein und haben auch Auswirkungen auf die Impfempfehlungen der Stiko“, sagte sie. Mit einem Impfstoff werde nicht plötzlich wieder die Normalität aus dem Jahr 2019 eintreten.

RND/sbu

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