Streik im öffentlichen Dienst: Wer verdient was?

Verdi

Die Gewerkschaft Verdi fordert knapp 5 Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber, in diesem Fall der Bund und die Kommunen, finden diese Forderung überzogen. Wie hoch sind die aktuellen Löhne?

Berlin

von Anne Grüneberg

, 22.09.2020, 10:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der öffentliche Dienst streikt. Verdi fordert Lohnerhöhungen.

Der öffentliche Dienst streikt. Verdi fordert Lohnerhöhungen. © dpa

Im öffentlichen Dienst stehen Streiks kurz bevor: Die Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt am Wochenende war nicht erfolgreich. Nun will die Gewerkschaft Verdi vor der nächsten Verhandlungsrunde im Oktober ein Zeichen setzen. Sie fordert für die 2,3 Millionen Beschäftigten 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro im Monat.

Die Arbeitgeber, in diesem Fall der Bund und die Kommunen, finden die Forderung überzogen und auch aus der Gesellschaft kommt Widerstand: Sollten die Beschäftigten, die in der Corona-Krise weitgehend von Kurzarbeit verschont geblieben sind, in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage streiken? Klar ist: Viele Angestellte im Öffentlichen Dienst sind für die Gesellschaft unabkömmlich - sie leisten viel und verdienen oft relativ wenig. Ein Überblick:

Kita-Erzieher: 3400 Euro im Monat

Eine Kita-Erzieherin verdient laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Median 3400 Euro brutto im Monat - Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind hier eingerechnet.

Streiks drohen vorerst aber nur in städtischen Kitas, denn nur für diese Erzieher gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), um den gerade gestritten wird. Kirchliche und private Träger haben entweder eigene Tarifverträge oder sie orientieren sich am TVöD.

Im TVöD gibt es je nach Tätigkeit (z.B. Erzieherin, Gruppenleiterin, Kita-Leiterin) und je nach Berufserfahrung verschiedene Gehaltsstufen. Eine Erzieherin ohne Leitungsfunktion und Sonderaufgaben verdient demnach im ersten Jahr rund 2830 Euro, eine Erzieherin mit 20 Jahren Berufserfahrung rund 3855 Euro brutto im Monat (Stand März 2020). Dazu kommt eine einmalige Jahressonderzulage (statt Urlaubs- und Weihnachtsgeld) von etwa einem Dreiviertel-Monatsgehalt.

Busfahrer: 2900 Euro im Monat

Ein Busfahrer verdient laut der Bundesagentur für Arbeit im Median rund 2900 Euro brutto im Monat - eingerechnet sind auch hier Sonderzahlungen. Arbeitet ein Busfahrer für den Öffentlichen Nahverkehr, wird er meist nach dem Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N, ein Spartentarif des TVöD) des jeweiligen Bundeslandes bezahlt. Private Busunternehmen fallen nicht darunter. So kommt es, dass zum Beispiel ein Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr in Berlin weniger verdient als der Median - je nach Berufsjahren bekommt er 2580 bis 2810 Euro. Dazu kommt eine Jahressonderleistung von pauschal 1600 Euro.

Krankenschwester und Krankenpfleger: 3550 Euro im Monat

Krankenschwestern und Krankenpfleger verdienen laut Bundesagentur für Arbeit im Median rund 3550 Euro brutto im Monat - inklusive Jahressonderzahlung sowie mögliche Zulagen für Wochenend- und Schichtarbeit.

Dabei gibt es im TVöD große Unterschiede je nach Tätigkeit. Krankenschwestern und Krankenpfleger ohne Sonderaufgaben verdienen demnach je nach Berufserfahrung von 2830 bis 3540 Euro brutto im Jahr. Bei Krankenschwestern und -pflegern mit besonders schwieriger Tätigkeit sind es rund 3000 bis 3700 Euro im Jahr, bei Krankenschwestern und -pflegern mit besonders schwieriger Tätigkeit und entsprechender Weiterbildung sind es 3260 bis 3850 Euro im Jahr. Dazu kommt für alle eine Jahressonderzahlung von etwa einem Dreiviertelmonatsgehalt plus eventuelle Zulagen für Wochenend- und Schichtarbeit.

Altenpfleger: 3030 Euro im Monat

Altenpfleger verdienen laut Bundesagentur für Arbeit im Median rund 3030 brutto im Monat - inklusive Jahres-, Nacht- und Wochenendzulagen.

Allerdings sind laut Verdi nur knapp 8 Prozent der stationären und ambulanten Altenpflege in öffentlicher Hand - nur für diese Kräfte gilt der TVöD und nur hier drohen vorerst Streiks. Gelernte Pflegekräfte ohne besondere schwierige Tätigkeit verdienen laut TVöD je nach Berufsjahren von 2830 bis 3540 Euro brutto im Monat plus Zulagen. In nicht-kommunalen Einrichtungen wird häufig schlechter bezahlt. Die Gewerkschaft Verdi streitet derzeit mit der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) um einen Tarifvertrag, der in der gesamten Alterspflege gelten soll.

Müllmänner: 3050 Euro im Monat

Fachkräfte für die Kreislauf- und Abfallwirtschaft, wie ausgebildete Müllmänner offiziell genannt werden, verdienen laut der Bundesagentur für Arbeit im Median rund 3050 Euro brutto im Monat. Die meisten sind bei den Kommunen angestellt und fallen damit unter den TVöD für den Dienstleistungsbereich Entsorgung (TVöD-E). Je nach Berufserfahrung bekommen sie 2640 bis 3310 Euro Bruttogehalt im Monat plus Jahreszulage. Ein ungelernter Müllwerker dagegen verdient laut TVöD-E nur 2330 bis 2820 Euro (E3) brutto im Monat.

Feuerwehrleute: 4580 Euro im Monat

Berufsfeuerwehrmänner- und frauen verdienen laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Median rund 4580 Euro brutto im Monat - inklusive Jahreszulagen, eventuelle Gefahren - oder Nachtdienstzuschläge.

Die Eingruppierung im TvÖD hängt von verschiedenen Faktoren ab. In der untersten Stufe verdienen sogenannte Brandmeister je nach Berufsjahren 2590 Euro bis 3210 Euro. Berufsfeuerwehrleute mit einem B3-Lehrgang als Leiterinnen oder Leiter einer Bundeswehrfeuerwehr bekommen je nach Berufserfahrung 3000 Euro bis 4565 Euro. Feuerwehrleute bekommen aufgrund ihrer Arbeitszeiten und des gefährlichen Berufsalltags außerdem verschiedene Zulagen.

Verwaltungsangestellte im gehobenen Dienst: 4470 Euro im Monat

Laut der Bundesagentur für Arbeit verdienen Verwaltungsangestellte im gehobenen Dienst im Median 4470 Euro im Monat - inklusive Jahreszulage. Viele von ihnen sind verbeamtet.

Verwaltungsangestellte im gehobenen Dienst arbeiten meist in einer Behörde des Bundes, der Länder oder Kommunen. Dazu gehören Bundesbehörden wie zum Beispiel das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Bundespolizeipräsidium oder die Bundesanstalt für Straßenwesen - aber auch Landratsämter mit der Kfz-Zulassungsstelle und der Bauaufsichtsbehörde.

RND