Streit um Kriegsschuld: Putin fährt nicht zur Auschwitz-Gedenkfeier

Zweiter Weltkrieg

Die Russen werden bei der Auschwitz-Gedenkfeier fehlen: Präsident Putin bezeichnet Polen als mitschuldig am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. So reagiert Polens Premier auf die Vorwürfe.

Warschau/Berlin

von Jan Sternberg

, 05.01.2020, 13:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Streit um Kriegsschuld: Putin fährt nicht zur Auschwitz-Gedenkfeier

Präsident Wladimir Putin wird nach jetzigem Stand nicht zur Gedenkstunde zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 75 Jahren am 27. Januar fahren. © Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Zwischen Polen und Russland ist der Streit um die Schuldfrage des Zweiten Weltkriegs erneut voll aufgeflammt. Deswegen wird vermutlich kein hochrangiger russischer Vertreter zur Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar nach Polen fahren.

Gedenkfeier: 21 Länder nehmen teil - keine Rückmeldung aus Russland

An der Gedenkfeier nehmen Stand jetzt Staatschefs und Regierungsvertreter aus 21 Ländern teil, darunter Polens Präsident Andrzej Duda, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Israels Staatschef Reuben Rivlin.

Die russische Seite habe auf ein Informationsschreiben zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung nicht geantwortet, teilte die polnische Botschaft in Berlin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit.

Polen bestellte den russischen Botschafter ein

Putin hatte Ende Dezember in St. Petersburg unter anderem den Hitler-Stalin-Pakt relativiert, den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, in dem Nazi-Deutschland und die Sowjetunion kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Polen unter sich aufteilten.

Daraufhin hatte Warschau den russischen Botschafter einbestellt. Polen – so Putin – sei mitverantwortlich für den Krieg und seine politische Führung sei antisemitisch gewesen. Die sowjetische Besetzung Ostpolens 1939 habe Juden das Leben gerettet.

Polnischer Premier weist Vorwürfe scharf zurück

Der polnische Premier Mateusz Morawiecki wies diese Vorwürfe in scharfen Worten zurück. Der Hitler-Stalin-Pakt sei eine „politische und militärische Allianz“ gewesen, als Folge hätten Deutschland und die Sowjetunion Polen unter sich aufgeteilt. Putin bezeichnete er als Lügner: „Präsident Putin hat in Bezug auf Polen mehrmals gelogen. Immer tat er das vollkommen bewusst.“

Die US-amerikanische Botschafterin in Warschau sprang den Polen zur Seite: „Hitler und Stalin haben sich verschworen und den Zweiten Weltkrieg begonnen. Das ist eine Tatsache“, twitterte sie.

Bereits vor fünf Jahren war Putin nicht zur Auschwitz-Gedenkfeier nach Polen gereist, sondern hatte den Gedenktag in Moskau begangen. Der damalige polnische Außenminister Grzegorz Schetyna hatte zuvor behauptet, dass nicht-russische Soldaten Auschwitz befreiten.

„Es waren damals, an diesem Tag im Januar, ukrainische Soldaten, die die Tore öffneten und das Lager befreiten“, sagte er. Richtig ist, dass es Einheiten der Ersten Ukrainischen Front waren. Sie bestanden aus verschiedenen sowjetischen Nationalitäten, auch jüdische Soldaten waren dabei.

RND

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