Strobl: Alles eine Woche schließen - Lauterbach für „Wellenbrecher-Shutdown“

Coronavirus

Wie kann den stark steigenden Corona-Infektionszahlen begegnet werden? Politiker schlagen einen 10-tägigen Lockdown oder einen „Wellenbrecher-Shutdown“ vor – zwei unterschiedliche Konzepte.

Berlin

27.10.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thomas Strobl (CDU), stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender, schlägt einen begrenzten Lockdown vor.

Thomas Strobl (CDU), stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender, schlägt einen begrenzten Lockdown vor. © picture alliance/dpa

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Thomas Strobl fordert bei einer weiteren Verschärfung der Corona-Lage einen gut einwöchigen Lockdown in Deutschland.

„Wenn die Zahlen sich weiter so entwickeln, dann müssen wir Maßnahmen in den Blick nehmen, etwa, dass wir auch einmal für eine Woche alles dicht machen, dass von Freitag bis Sonntag die Woche drauf gar nichts mehr geht“, sagte der baden-württembergische Innenminister dem Nachrichtenportal „ThePioneer“.

Auf die Frage, ob die Schließung auch Schulen, Kitas und Geschäfte betreffen würde, sagte Strobl: „Alles heißt alles.“ Das bedeute auch Einschränkungen im Grenzverkehr.

Damit könne man das Infektionsgeschehen zum Stillstand bringen, argumentierte Strobl. Der Vorteil dieser „sehr, sehr harten“ Lösung wäre die zeitliche Begrenzung. Der CDU-Politiker betonte aber auch, dann wären ein Weihnachtsgeschäft und eine gemeinsame Weihnachtszeit mit der Familie wieder möglich.

Shutdown-Konzept sieht eine Woche Vorlauf vor

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wirbt derweil für eine befristete Schließung zahlreicher Einrichtungen für zwei Wochen, um den starken Anstieg der Corona-Infektionen zu stoppen. „Wenn wir den Sonderweg Deutschlands retten wollen, auch besser durch die zweite Welle zu kommen, dann muss ein Wellenbrecher-Shutdown jetzt kommen“, sagte Lauterbach am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Konkret gehe es um ein Konzept, „bei dem man über zwei Wochen hinweg mit Ankündigung - in der Regel mit einer Woche Vorlauf - bundesweit Einrichtungen schließt: Restaurants, Bars, Kneipen, alle Kulturstätten, Fitnessstudios, Vereine. Offen bleiben aber Schulen, Kitas und essenzielle Geschäfte.“ Private Treffen müssten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. In Betrieben sollte so viel Homeoffice gemacht werden wie möglich.

„Wenn dieses Konzept sehr früh ergriffen wird, kann es uns für eine längere Zeit aus dem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen herausbringen, wenn dieses noch nicht zu lange gelaufen ist“, sagte Lauterbach. „In dieser Situation sind wir jetzt. Wenn wir es jetzt nicht beschließen, ist aus meiner Sicht ein kompletter Lockdown auch mit Schulen, der viel länger dauern könnte, in einigen Wochen unabwendbar.“

Er hoffe, dass es bei den Beratungen von Bund und Ländern an diesem Mittwoch zu einem entsprechenden Beschluss komme.

„Um aus dem exponentiellen Wachstum herauszukommen, müssen wir die Zahl der Kontakte um mindestens 50 Prozent senken, bevorzugt sogar um 75 Prozent“, erläuterte der Gesundheitsexperte. „Wir würden damit wesentliche Zeit gewinnen und kämen - ohne dass wir mit dramatischen Fallzahlen rechnen müssen -, noch bis zu den Weihnachtsferien.“

Hans: Müssen jetzt handeln und das Ruder herumreißen

Vor dem Krisentreffen von Bund und Ländern fordert der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) seine Kollegen auf, ihre Bedenken gegen einschneidende Maßnahmen zur Virusbekämpfung aufzugeben. „Ich erwarte mir von der Ministerpräsidentenkonferenz das klare Signal, den Kontrollverlust abzuwenden“, sagte Hans dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dazu braucht es bundesweit einheitliche Regeln und den Mut aus dem Frühjahr, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Denn wenn es uns jetzt nicht gelingt, die Situation wieder in den Griff zu bekommen, steuern wir sehenden Auges in die Überforderung der Systeme.“

Es gehe darum, das Gesundheitssystem und damit die Bürger zu schützen und nicht darum, Ängste zu schüren. Das Beispiel von Nachbarstaaten wie Belgien, wo bereits viele Krankenhäuser die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hätten, mache ihm Sorgen. „Wir müssen jetzt handeln und das Ruder herumreißen, denn Corona verzeiht keine Nachlässigkeit“, sagte Hans.

RND/dpa/vat

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