Halb Unna war über zwei Stunden ohne Strom

hzBrand in Umspannwerk

An sich war es ein kleiner Defekt, doch die Auswirkungen waren enorm: Der Brand eines Bauteiles im Umspannwerk an der Heisenbergstraße stellte halb Unna den Strom ab und führte den Menschen in der Stadt vor Augen, wie abhängig wir heute von Energie sind.

Unna

, 30.08.2019, 08:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nichts ging mehr am Freitagmorgen in weiten Teilen der Stadt: Große Bereiche der Innenstadt und der Unnaer Osten standen plötzlich ohne Strom da. Wer in den Tag startete, stieß fortwährend auf Dinge, die an diesem Tag einfach nicht funktionierten – von der Kaffeemaschine daheim über die Ampeln an der Straße bis zu den Maschinen und Rechensystemen am Arbeitsplatz.

Auch Telefon- und Mobilfunknetze waren gestört. Im Katharinen-Hospital sprang das Notstromaggregat an, um die Versorgung der Patienten weiterlaufen zu lassen.

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Die Hälfte der Abnehmer in Unna stand ohne Strom da

Strom ist die Achillesferse des modernen Lebens. Und bis sie die Stadtwerke Unna verarztet hatten, war dieses Leben am Freitagmorgen merklich gelähmt. Etwa 50 Prozent der Verbraucher in Unna dürften vom Ausfall der Versorgung betroffen gewesen sein, schätzt Dietmar Biermann, Technischer Prokurist der Stadtwerke.

Auslöser: Ein kleiner Brand in einem Schaltschrank

Auslöser war ein an sich kleiner, wenn auch rauchintensiver Brand. Er traf die Versorgung jedoch an einer empfindlichen Stelle in einem der beiden Umspannwerke in Unna. Die Anlage an der Heisenbergstraße musste abgeschaltet werden. Strom aus den großen Überlandleitungen für die Verteilung vor Ort herunterzutransformieren war nur noch im Umspannwerk „Alter Hellweg“ am Schwarzen Weg möglich.

Halb Unna war über zwei Stunden ohne Strom

Der Brand war in einer der sogenannten Schaltzellen ausgebrochen – hinter der vorletzten Schranktür (blau) ganz hinten im Bild. © Sebastian Smulka

Der Brand entstand in einer der sogenannten Schaltzellen, hinter denen sich die Netzabzweigungen für die flächendeckende Verteilung befinden. Vermutlich war ein Bauteil darin kaputt gegangen. Richtig klären ließ es sich vor Ort zunächst nicht, weil der Schaltschrank im Innern völlig verkohlt war, als die Feuerwehr wieder freie Sicht darauf geschaffen hatte.

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Die Störung in der Zelle war von den eingebauten Sensoren zunächst der Leitstelle der Stadtwerke an der Heinrich-Hertz-Straße gemeldet worden. Sie schickte die Netzmannschaft vor Ort aus, um einmal nach dem Rechten zu sehen. Als ihnen aus dem Raum mit den Schaltzellen Rauch entgegenschlug, alarmierten sie sofort die Feuerwehr.

Feuerwachen in den Stadtteilen als Meldeposten für weitere Notfälle besetzt

Feuerwehr und Polizei hatten daraufhin zwei Aufgaben zu meistern: Löscharbeiten auch an elektrischen Anlagen sind im Grunde Alltag. Aber es ging auch darum, eine Notfall- und Einsatzstruktur aufzubauen, die unabhängig von Strom- und Kommunikationsnetzen die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten sollte. Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr wurden alarmiert, um zusammen mit der Polizei die Gerätehäuser in den Stadtteilen als Meldeposten zu besetzen. Die Polizei alarmierte die Menschen mit Lautsprecherdurchsagen, dass sie sich im Notfall dort melden könnten.

Halb Unna war über zwei Stunden ohne Strom

Maßnahmen zur Versorgung von Verletzten wurden zum Glück nur vorbereitet, aber nicht angewandt. Die Feuerwehr hatte die Lage souverän im Griff. © Sebastian Smulka

Der Brand selbst war schnell unter Kontrolle gebracht, sodass die Stadtwerke die Versorgung wiederherstellen konnten. Dies gelang zunächst vorläufig durch Umschaltungen im Netz. Eine richtige Reparatur wird noch auf sich warten lassen: Der ausgebrannte Schrank muss begutachtet und von einer Fachfirma gereinigt, die Technik erst einmal bestellt werden.

Das Reserverad ist jetzt montiert

Um 10.02 Uhr meldeten die Stadtwerke die Stromversorgung in ganz Unna als wiederhergestellt – mit dem Hinweis, dass das sogenannte „N-minus-eins-Kriterium“ nicht mehr gegeben sei. „Es ist wie bei einer Reifenpanne beim Auto“, erklärt Stadtwerke-Technikchef Biermann: „Das Reserverad ist aufgezogen. Wenn wir jetzt noch einen Platten bekommen, müssten wir erst einmal loslaufen, um ein weiteres Rad zu besorgen.“ Umschaltungen bei einem weiteren Netzausfall seien immer noch möglich, dann aber komplizierter.