Studenten drehen Dokumentarfilm "Down in the Valley" in Braddock

Fachhochschule Dortmund

DORTMUND "Wandel durch Kultur" lautet das Motto für die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Doch kann Kultur wirklich so ein starker Motor sein? Vier Dortmunder Studenten gehen dieser Frage mit ihrem Dokumentarfilm "Down in the Valley" auf den Grund.

von Von Anne-Kathrin Neumann

, 08.07.2009, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Tonstudio bearbeiten die Studenten der FH Dortmund ihren Dokumentarfilm "Down in the Valley".

Im Tonstudio bearbeiten die Studenten der FH Dortmund ihren Dokumentarfilm "Down in the Valley".

Die Studenten der Dortmunder FH haben in Braddock - einem amerikanischen Vorort von Pittsburgh - die durchlässigen Stellen der Idee mit ihrer Kamera aufgedeckt. Nach drei Wochen hatten sie das Rohmaterial für ihren Dokumentarfilm "Down in the Valley" im Kasten - und einen neuen Blick auf das Zusammenspiel von Industriekultur und Kunst entwickelt.Parallelen zwischen Braddock und dem Ruhrgebiet

"Ähnlich wie das Ruhrgebiet ist Braddock von der Industrie geprägt. Heute soll sich der Ort in eine Künstlerstadt verwandeln, der Bürgermeister will die Menschen durch die Kunst sozialisieren", erzählt Dozent Jörg Lensing. Vor Ort haben seine Studenten ein feines Gespür für die Parallelen und Unterschiede zu ihrer Heimat entwickelt und ihre Eindrücke mit dem Sucher eingefangen.

Die Kamera schwenkt über heruntergekommene Straßen und verlassene Industriegebäude. Dann wechselt der Schauplatz zu einer ausgelassenen Blockparty oder einer Gruppe Jugendlicher, die ein Mosaik gestalten. Hört sich idyllisch an, doch die Bilder der Dokumentation erzählen etwas anderes: Echte Begeisterung für die künstlerischen Projekte ist den Bewohnern nämlich nicht im Gesicht abzulesen. Und so sind den Studenten berechtigte Zweifel an der Kraft des kulturellen Rettungsankers gekommen. "Down in the Valley" zeigt Schwachstellen des Projektes auf "Man merkt ja schon im Ruhrgebiet, dass der Otto-Normal-Verbraucher manchmal nichts mit Kunst anfangen kann, und das ist in Braddock noch extremer", hat Studentin Gertrud Schweers festgestellt und verrät, dass die Kinder in dem Vorort nicht von ihrer Leidenschaft für Kunst angetrieben werden: "Sie bekommen Geld, wenn sie bei den Projekten mitmachen. Das ist für manche Familien sogar die einzige Einnahmequelle."

Ein Zwiespalt aus Lebensfreude und Frust dringt in dem Dokumentarfilm an die Oberfläche. So planscht ein Mädchen ausgelassen im Swimming Pool. Im nächsten Moment ruft sie: "Braddock is boring" - ihre Heimatstadt findet sie langweilig.

Keinesfalls hat sich die Langeweile in den Dokumentarfilm der Studenten eingeschlichen: "Down in the Valley" eröffnet einen spannenden Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen in Braddock.

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