Studie aus Kanada: Schützt Cannabis vor Covid-19?

Coronavirus

Forscher aus Kanada behaupten, dass bestimmte Wirkstoffe von Cannabis vor dem Coronavirus schützen können. Im Fokus stehen dabei die Stämme der Pflanze Cannabis sativa.

Alberta

10.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Cannabis könnte die Funktion des Coronavirus, in die Wirtszellen einzudringen, einschränken.

Cannabis könnte die Funktion des Coronavirus, in die Wirtszellen einzudringen, einschränken. © picture alliance/dpa

Vor einigen Wochen hatte eine Studie aus Frankreich die Behauptung aufgestellt, dass Nikotin vor dem Coronavirus schützen könnte. Forscher aus Kanada gehen jetzt noch einen Schritt weiter: In ihrer Preprint-Studie stellen sie heraus, dass auch bestimmte Wirkstoffe des psychoaktiven Arzneimittels Cannabis einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Erreger vorbeugen können.

Damit das Coronavirus menschliche Wirtszellen befallen und sich darin vervielfältigen kann, muss sich das Spike-Protein auf der Virushülle an die ACE2-Rezeptoren der Wirtszellen binden. Diese ACE2-Rezeptoren sind im Lungengewebe, im Mund- und Nasenschleim, in den Nieren, in den Hoden und im Magen-Darm-Trakt nachweisbar.

„Die Modulation der ACE2-Spiegel in diesen Gateway-Geweben kann sich als plausible Strategie zur Verringerung der Krankheitsanfälligkeit erweisen“, schreiben die Forscher. Mithilfe von Cannabis könnte also die Funktion des Coronavirus, in die Wirtszellen einzudringen, eingeschränkt werden.

Cannabis-Extrakte für Mundspülungen?

Dabei konzentriert sich die kanadische Studie vor allem auf Stämme der Pflanze Cannabis sativa, die einen hohen Gehalt an dem entzündungshemmenden Cannabinoid Cannabidiol (CBD) aufweisen. Mehr als 800 neue Cannabis sativa-Varianten mit hohen CBD-Werten haben die Forscher entwickelt und bei ihnen 13 Extrakte identifiziert.

„Die Extrakte unserer erfolgreichsten und neuartigsten Cannabis-sativa-Linien mit hohem CBD-Gehalt können bis zur weiteren Untersuchung eine nützliche und sichere Ergänzung zur Behandlung von Covid-19 als Zusatztherapie sein“, glauben die Wissenschaftler. „Sie können verwendet werden, um einfache, vorbeugende Behandlungen in Form von Mundwasser oder Gurgelwasser für den klinischen und häuslichen Gebrauch zu entwickeln.“

Cannabis ist nicht gleich Cannabis

Schon länger schreiben Ärzte dem medizinischen Cannabis eine hohe Wirksamkeit bei der Behandlung von Erkrankungen wie Übelkeit oder Demenz zu. Medizinisches Cannabis ist aber nicht vergleichbar mit Genussmitteln, die im eigenen Garten angepflanzt werden.

Diese Sorten enthalten meist einen hohen Tetrahydrocannabinol (THC)-Gehalt – also den wichtigsten, psychoaktiven Wirkstoff der Droge. „Unsere Sorten haben einen hohen CBD- oder ausgewogenen CBD/THC-Gehalt, weil man eine höhere Dosis verabreichen kann und die Menschen nicht durch die psychoaktiven Eigenschaften von THC beeinträchtigt werden“, sagte Dr. Igor Kovalchuck, Professor für Biowissenschaften an der Universität Lethbridge und Mitglied des Forschungsteams, gegenüber Deutsche Welle.

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